Sport : Marcelinhos Club

Der Brasilianer hat einen Mietvertrag für eine Diskothek unterschrieben, Hertha BSC wusste davon nichts

Stefan Hermanns

Berlin - Der Zeitpunkt der Veröffentlichung hätte kaum unpassender sein können: Gerade erst ist Marcelinho mit zwei Toren zu Herthas 3:1-Sieg gegen den SC Freiburg die erfolgreiche Resozialisierung geglückt – da gerät der brasilianische Mittelfeldspieler des Berliner Fußball-Bundesligisten wieder mit außersportlichen Themen in die Schlagzeilen. Die Boulevardzeitung „BZ“ druckte gestern einen von Marcelinho bereits am 1. Februar unterschriebenen Mietvertrag für eine Diskothek an der Lietzenburger Straße ab. Und damit nicht genug: Angeblich hat der Vermieter eine Klage eingereicht, weil der Brasilianer weder die Kaution noch die bisher angefallenen Monatsmieten für Februar, März und April gezahlt hat. Die Berliner Immobilienfirma MaBe bestätigte auf Nachfrage, dass es den Vertrag gibt und dass die Forderungen bestehen. Marcelinho selbst hat sich zu dieser Angelegenheit noch nicht geäußert.

Gerüchte, dass der Brasilianer die Eröffnung einer Diskothek plane, hatte es schon vor vier Wochen gegeben. Damals fragte Herthas Manager Dieter Hoeneß, was an dieser Meldung dran sei. Als Marcelinho alles dementierte, riet ihm Hoeneß zu einer Klarstellung. Über den Presseservice Herthas wurde Marcelinhos Stellungnahme verbreitet: „Ich habe weder geplant, eine Diskothek zu eröffnen, noch werde ich mich in irgendeiner Form an einem solchen Projekt beteiligen. Alle diesbezüglichen Meldungen sind frei erfunden.“ Zu diesem Zeitpunkt hatte Marcelinho den Mietvertrag bereits unterschrieben. „Wir müssen uns auf sein Wort verlassen können“, sagt Hoeneß.

Herthas Manager wundert sich, dass Marcelinho den Vertrag nie erwähnt hat, auch nicht, als es um seine finanziellen Schwierigkeiten ging. Weil Marcelinho sich in seiner Heimat mit einem Immobilienobjekt übernommen hat, hat Hertha ihm einen Berater der Berliner Volksbank zur Seite gestellt, der seine finanziellen Angelegenheiten wieder in Ordnung bringen soll. „Wir werden nicht akzeptieren, dass Marcelinho ein finanzielles Abenteuer eingeht“, sagt Hoeneß. „Und ein Abenteuer wäre jedes Geschäft, von dem er keine Ahnung hat.“ Also auch der Betrieb einer Diskothek. Hoeneß kann daher „mit Sicherheit sagen: Marcelinho wird keine Diskothek führen“. Dass er offenbar weder die Kaution noch die Miete gezahlt habe, zeige, „dass er den Vertrag nicht leben will“.

Trainer Falko Götz findet die ganze Angelegenheit „nicht sehr angenehm“. Solange sich Marcelinho auf seinen Job konzentriere, habe es nie Probleme gegeben. Es ist bekannt, dass der Brasilianer ein sehr gefühliger Mensch ist, dass sich seine Stimmung entsprechend stark auf sein Spiel auswirkt. Den Betrieb einer Diskothek hält Götz daher für „nicht unbedingt leistungsfördernd“, und schon deshalb hofft er, „dass es vielleicht noch machbar ist, aus dem Mietvertrag herauszukommen“. Manager Hoeneß fragt sich ohnehin, warum Marcelinho einen deutschen Vertrag unterschrieben hat: „Er kann ihn gar nicht verstehen, definitiv nicht das Kleingedruckte.“

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