Marco Baldi : "Es ist ein Endspiel zum Saisonstart"

Alba-Geschäftsführer Baldi über die Europaliga

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Foto: dpadpa

Herr Baldi, Alba muss am Sonntag mit zehn Punkten Unterschied gegen Maroussi Athen gewinnen, um in die Hauptrunde der Basketball-Europaliga einzuziehen. Sind das die wichtigsten 40 Minuten der Saison?

Es ist ein Endspiel zum Saisonstart. Wir haben wie immer unser Ziel sehr offensiv formuliert. Ich glaube, dass wir die Berechtigung haben oder uns die Berechtigung erkämpfen können, in der Europaliga zu spielen. Dort wollen wir uns dauerhaft verankern. Es wird ein Kampf auf Biegen und Brechen. Maroussi ist tiefer besetzt, wir müssen 40 Minuten ans Limit gehen. Wenn wir spielen wie in der ersten Halbzeit in Griechenland, bin ich optimistisch.

Die Aufgabe ist anspruchsvoll. Wie schlägt man ein starkes Team wie Maroussi so deutlich?

Die Spieler dürfen nicht ständig aufs Ergebnis schauen und zur Anzeigentafel blicken. Sie müssen Maroussi ihr Spiel aufzwingen und dürfen sich nicht ablenken und vom Ergebnis beeinflussen lassen. Man darf nicht meinen, man muss einen Rückstand in kurzer Zeit aufholen, das kann sonst nach hinten losgehen.

Die Fans in Berlin werden Alba von der ersten Minute an nach vorn treiben. Besteht nicht die Gefahr, dass die Mannschaft zu schnell zu viel will und unvorsichtig wird?

Wir brauchen jeden Mann, jede Frau und jedes Instrument. Das Verkrampfungspotenzial kann eher ein Nachteil sein, die Zuschauer sicher nicht.

Alba hat sich in der vergangenen Saison durch den Einzug in die Europaliga-Zwischenrunde viel Respekt erarbeitet. Würde ein Scheitern heute alles wieder kaputt machen? Oder anders gefragt: Wäre der Eurocup ein Rückschritt in die Zweitklassigkeit?

Nein, das glaube ich nicht. Es ist blöd, wenn man es selbst sagt, aber Fakt ist: Im Ausland und bei der Europaliga gilt Alba als der deutsche Kandidat, der auf höchstem europäischem Niveau bestehen kann. Deshalb haben wir mehrere Awards bekommen.

Alba ist 2009 für das beste Marketing ausgezeichnet worden, Sie selber sind von Ihren Kollegen zum Manager des Jahres in Europa gewählt worden.

Alba gilt international als der Klub, der wettbewerbsfähig ist und ständig an seiner Entwicklung arbeitet. Deshalb glaube ich nicht, dass sich viel am Bild von Alba ändert, wenn wir im Eurocup spielen sollten. Aber wir wollen immer auf der höchsten Ebene spielen. Die Voraussetzungen sind schwierig, aber wir haben eine Chance.

Wenn es nicht klappt ...

... kann man den Kopf in den Sand stecken und weinen oder Motivation daraus ziehen für künftige Aufgaben. Die Saison hat eben erst begonnen.

Was steht finanziell auf dem Spiel?

Wir haben keinen Plan A und Plan B. Die Einnahmen sind höher als im Eurocup – die Ausgaben aber auch. Die Finanzen sind bei der Frage, wo wir künftig spielen, nicht die Hauptbefindlichkeit.

In der Arena am Ostbahnhof hatte Alba in der vorigen Saison den zweithöchsten Zuschauerschnitt aller Europaligisten. Im Eurocup könnte man vermutlich nur die Max-Schmeling-Halle füllen.

Abwarten. Jetzt kämpfen wir mit allem, was wir haben, für den Einzug in die Europaliga.

Nach der Trennung von Lee Cummard will Alba noch einen Spieler verpflichten. Werden Sie den einen oder anderen Profi am Sonntag von der Kandidatenliste streichen, falls Alba nur im Eurocup antreten wird?

Nein, die Kandidaten sind unabhängig von dem europäischen Wettbewerb, in dem wir spielen werden.

Aber die Europaliga ist viel attraktiver. Manche Spieler werden vermutlich nur unter der Voraussetzung kommen, dass sie sich in der Europaliga beweisen können.

Ein Spieler, der zu diesem Zeitpunkt noch zu haben ist, wird sich freuen, wenn Alba auf ihn zukommt und ihm ein Angebot macht. Egal, ob wir Europaliga spielen oder nicht.

Das Gespräch führte Helen Ruwald.

Marco Baldi, 47, ist Geschäftsführer des Basketballklubs Alba Berlin, der heute (17 Uhr, Arena am Ostbahnhof) im Rückspiel der Europaliga-Qualifikation mit zehn Punkten siegen muss.

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