Sport : Marco Reus kann auch Vorstopper

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Dortmund - Marco Reus erkannte den freien Raum vor dem Strafraum und sprintete entschlossen darauf zu. So wie es der Offensivspieler eigentlich immer macht. Nur dass der Bremer Aaron Hunt den Ball führte und sich der freie Raum vor dem Dortmunder Strafraum auftat. Aber bevor es für den Deutschen Meister richtig gefährlich wurde, setzte Reus, weit entfernt von seinem eigentlichen Betätigungsfeld zur Grätsche an und spitzelte Hunt den Ball vom Fuß. Fast so, als wäre er in einem früheren Leben Vorstopper gewesen.

Die Szene aus der 33. Minute zwischen dem BVB und Werder Bremen nahm auf eine Diskussion Bezug, die Reus’ Rückkehr in die alte Heimat begleitet hatte. Der gebürtige Dortmunder ist gerade zu Deutschlands Fußballer des Jahres gewählt worden, und trotzdem wurde ihm nach seinem Wechsel von Mönchengladbach zum BVB angedroht, dass er sich erst an den speziellen Stil der Mannschaft anpassen und eine Lust an der Defensive entwickeln müsse. Diese Diskussion ist seit Freitagabend fürs Erste beendet.

„Es ist bekannt, dass das in Dortmund viel mit Laufen zu tun hat“, sagte Reus. „Das macht mir nichts aus.“ Von allen Dortmundern hatte der Nationalspieler mit 11,8 zurückgelegten Kilometern den zweitbesten Wert. Natürlich sieht die Defensivarbeit beim BVB anders aus, als einmal in höchster Not an den eigenen Strafraum zurückzusprinten. Es geht vielmehr um die nahezu permanente Attacke schon in vorderer Linie, die Jagd nach dem Ball, damit die eigene Abwehr gar nicht erst in Verlegenheit gerät. Aber dass Reus den grundsätzlichen Willen zur Defensive mitbringt, zeigte sich bei der Grätsche gegen Hunt wie in keiner anderen Szene.

Sein Kerngeschäft beherrscht der Offensivspieler ohnehin. Beim 2:1-Sieg des BVB gegen Bremen wies Reus das schon nach zehn Minuten nach, als er mit seinem zweiten Ballkontakt das erste Tor der 50. Bundesligasaison erzielte. Es war geradezu archetypisch für sein Spiel. Der Neuzugang ortete den freien Raum, in den der Ball kommen würde, hatte nur noch Bremens Torhüter Mielitz vor sich, und während andere Spieler in solchen Situationen von Versagensängsten geplagt werden, scheint Reus einfach ein störungssicheres Programm abzuspulen. „Der hat wirklich einen Kompass dafür, wo das Tor steht und in welchem Winkel er den Ball schießen muss“, sagte Dortmunds Trainer Jürgen Klopp.

Generell fehlte seiner Mannschaft diese Orientierung in einigen Phasen gegen starke Bremer noch. Im entscheidenden Moment setzte sich die größere Qualität der Dortmunder aber durch. Sie kam diesmal von der Bank. Drei Minuten nach dem Ausgleich durch Theodor Gebre Selassi wechselte Klopp Mario Götze ein, drei Minuten später traf Götze zum 2:1. Einen solchen Spieler in Reserve zu haben, „das ist an sich schon mal relativ lässig“, sagte Klopp. „Da kommt noch mal richtig Dampf rein.“ Stefan Hermanns

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