Marco Sejna : "Ich hatte es schwer als West-Berliner"

Herthas Ersatztorwart spricht über seine nicht immer leichte Zeit bei den Eisernen, für die er in der Saison 2004/05 spielte. Der einzige Spieler, den er von damals noch kennt, ist Unions Torhüter Jan Glinker.

Marco Sejna
Der 38-jährige Marco Sejna wurde in Berlin geboren und war bereits von 1990 bis 1995 Herthaner. Er kommt vom Zweitligaaufsteiger FC Ingolstadt. In der Saison 2004/05 spielte er in der Alten Försterei.
Der 38-jährige Marco Sejna wurde in Berlin geboren und war bereits von 1990 bis 1995 Herthaner. Er kommt vom Zweitligaaufsteiger...Foto: Mike Wolff

Beim Berliner Derby bin ich mit dem Herzen dabei – auch wenn ich nur als Ersatztorhüter auf der Bank sitze. Ich habe schon mit sechs Jahren bei Hertha angefangen, Fußball zu spielen. Mein Vater ist früher immer zur Hertha gerannt, als Jugendlicher war ich selbst Mitte der achtziger Jahre bei den Aufstiegsspielen im Poststadion dabei. Ich bin im Herzen Herthaner, deswegen bin ich auch stolz, noch einmal dabei sein zu dürfen.

Ich hätte ehrlich gesagt nicht mehr damit gerechnet, dass ich im hohen Alter von 38 noch bei Hertha spielen kann – so, wie sich der Verein entwickelt hat, seit ich 1995 gegangen bin. Damals kamen in der Zweiten Liga vielleicht 5000 Zuschauer ins Olympiastadion, die Massen kamen ja erst, als es zwei Jahre später um den Aufstieg ging. Heute ist die Geschäftsstelle riesengroß, damals gab es nur ein Büro in der Reichsstraße.

Aber als mich mein alter Mitspieler und Herthas jetziger Torwarttrainer Christian Fiedler vor einigen Monaten anrief, war ich sofort interessiert. Denn ich hatte ja in all den Jahren, in denen ich bei Sachsen Leipzig, LR Ahlen, Rot-Weiss Essen und beim FC Ingolstadt gespielt habe, weiter meinen Mittelpunkt hier. Ich hatte nicht nur einen Koffer in Berlin, sondern eine Wohnung in Spandau. Da bin ich zweimal im Monat hingependelt, das war eine ganz schöne Fahrerei. Trainer Markus Babbel hat mich gleich wiedererkannt. Wir haben mal bei U-21-Lehrgängen zusammengespielt.

Wenn das Derby vor der Brust steht, muss ich meine Mitspieler nicht extra heißmachen. Im Trainingslager habe ich meinem Zimmerkollegen Maikel Aerts schon erzählt, was für eine Atmosphäre in der Alten Försterei herrscht. Ich habe ja 2004/05 in der Wuhlheide gespielt.

Damals hatte ich, naja, ich will nichts Falsches sagen, aber ich hatte schon einen schweren Stand bei Union. Nicht im Team, aber bei den Fans: erst mal als Herthaner und West-Berliner; und dann habe ich auch noch bei Tennis Borussia gespielt. Das sind gleich zwei Vereine, die Union-Fans gar nicht mögen. Damals sind wir von der Dritten Liga in die Oberliga abgestiegen, die sportlichen Leistungen waren also auch nicht so toll. Aber das habe ich überstanden, abgehakt.

Privat habe ich zu Union keinen Kontakt mehr. Da verändert sich auch so viel im Laufe der Jahre. Der einzige Spieler, den ich noch kenne, ist Jan Glinker, mein Torwartkollege von damals, und der Torwarttrainer Holger Bahra. Auch bei Hertha gibt es viele neue Gesichter. Einige junge Spieler könnten theoretisch meine Söhne sein.

Aufgezeichnet von Dominik Bardow.

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