Sport : Marek Mintal

Wie Nürnbergs Torjäger das Spiel bei Hertha erlebte

Mathias Klappenbach

Selbst wenn er sprintet, sieht das kaum schneller aus. Marek Mintal bewegt sich fast die ganze Zeit im selben, mittleren Tempo, immer dorthin, wo gerade kein anderer steht. Eine intensive Teilnahme an einem Bundesligaspiel sieht anders aus, aber das ist auch nicht die Aufgabe des Slowaken, den, inklusive seines Trainers Wolfgang Wolf, alle nur das Phantom nennen. Als sich nach einem Abschlag drei Spieler noch zum Kopfballduell orientieren, ist er schon ein paar Meter weggelaufen, und tatsächlich, der Ball fliegt so, wie nur er ihn berechnet hat. Dabei werden die weiten Bälle eigentlich nie in seine Richtung gespielt, Kopfballduelle und defensive Zweikämpfe interessieren den trotz seiner 78 Kilogramm schmächtig und fast schwächlich wirkenden Mintal nicht.

Die harte Arbeit muss für Mintal sein Landsmann Robert Vittek miterledigen, der ist nominell Stürmer. Erst als Hertha nach einer halben Stunde in Führung geht, setzt sich Mintal im Mittelfeld mehr ein. Für etwa zwei Minuten. Eines seiner Hobbys ist spazieren gehen. Seinen ersten ernsthaften Zweikampf, in dem er den Ball erobern möchte, bestreitet Mintal nach einer guten Stunde. Er macht das ungeschickt, sein Gegenspieler Niko Kovac erhält einen Freistoß. Trotz des schlammigen Bodens lässt sich der slowakische Fußballer des Jahres während des gesamten Spiels bei keiner Grätsche erwischen.

Der 1. FC Nürnberg hat vor anderthalb Jahren 100 000 Euro an den slowakischen Verein MSK Zilina für Mintal bezahlt. „Seine Ablöse steigt täglich. Aber er ist auf seine Art unersetzbar“, sagt Trainer Wolf. „Er ist unser Tafelsilber“, sagt Club-Präsident Michael A. Roth. Die erfahrenen Scouts großer europäischer Klubs wie des FC Liverpool, die den 27-Jährigen angeblich Woche für Woche beobachten und aus seinem bis 2008 laufenden Vertrag kaufen wollen, werden manchmal Mühe haben, ihn auf dem Platz nicht aus den Augen zu verlieren. Wenn einer scheinbar nichts Konstruktives macht, wandern die Augen des Betrachters automatisch woanders hin.

Selbst seine Mitspieler haben ihn nicht immer im Blick. Mintal macht meist mit erhobenem Arm auf sich aufmerksam. Dafür, dass er die Torjägerliste der Bundesliga anführt, steht er ungewöhnlich oft frei. Das liegt daran, dass er sich aus dem offensiven Mittelfeld zumeist dorthin schleicht, wo es erst im übernächsten Augenblick gefährlich werden könnte. Marek Mintal ist ein Möglichkeitsspieler, und zwar ein sehr guter. Weil der Schein perfekt trügt. Er nimmt auf seine eigene Art intensiv an den offensiven Spielzügen seiner Mannschaft teil. Als zehn Minuten vor Schluss Markus Daun den Ball an der Mittellinie überraschend erobert, ist Mintal schon losgetrabt. Der Ball kommt zu Stefan Kießling, der auch aufs Tor schießen könnte. Er entscheidet sich für einen Querpass. Mintal steht frei und schießt sein 15. Bundesligator in dieser Saison.

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