Sport : Marek Mintal

Wie der Nürnberger das Spiel in Berlin erlebte

Stefan Hermanns

Ganz am Ende der ersten Halbzeit landet Marek Mintal doch noch einen Treffer: am Kinn von Herthas Torhüter Christian Fiedler. Ivan Sajenko hat den Ball von der linken Seite flach an den Fünfmeterraum gepasst, Mintal hat sich frei geschlichen, doch Fiedler stürzt sich dem Ball entgegen und bekommt ihn auch zu fassen. Der Nürnberger stochert mit dem Fuß hinterher, trifft Fiedler, und der lässt den Ball wieder los. Mintal setzt nach, schießt den Ball an den Pfosten, aber der Schiedsrichter hat längst abgepfiffen. Die Szene ist typisch für Nürnberg und für Marek Mintal in der ersten Hälfte. Sie sind nah dran, aber richtig zu Potte kommen sie irgendwie nicht.

Der Slowake spielt gegen Hertha hinter den beiden Spitzen Sajenko und Vittek auf der Position des Spielmachers. Aber ein Spielmacher im eigentlichen Sinne ist er nicht. In Holland würde man jemanden wie ihn, einen Grenzgänger zwischen Mittelfeld und Angriff, als Schattenspitze bezeichnen, im Olympiastadion dauert es lange, ehe Mintal aus dem Schatten heraustritt. Es ist der Schatten von Andreas Schmidt, der ihm anfangs hartnäckig durchs Mittelfeld folgt und die Beschattung erst aufgibt, wenn Mintal Herthas Strafraum betritt. Dann muss sich einer der Kollegen aus der Abwehr seiner annehmen. Ohne Risiko ist das nicht, weil Mintal in seiner besten Zeit die Fähigkeit entwickelt hat, sich zeitweise scheinbar unsichtbar zu machen und genau dann wieder aufzutauchen, wenn es brenzlig wurde. Das ist lange her. Zwei Mittelfußbrüche liegen hinter Mintal, dem Torschützenkönig der Bundesliga-Saison 2004/05. In diesem Jahr hat er erst einmal getroffen, im Pokal beim Zweitligisten Paderborn.

Seine auffälligste Phase hat Mintal nach knapp 25 Minuten: Sein erster Torschuss wird von van Burik über die Latte gelenkt. Kurz darauf wird er nach einer Ecke von dem Holländer so bedrängt, dass er den Kopfball nicht richtig platzieren kann, und noch in derselben Minute flankt er von der rechten Seite, seine Hereingabe aber wird von Simunic abgeblockt. Zehn Minuten später verpasst sein Landsmann Robert Vittek den richtigen Moment, den Ball in die Mitte zu Mintal zu passen. Der nämlich hat kurz seine Tarnkappe übergestreift und seinem Gegenspieler den Rücken zugekehrt.

Mintal ist in der ersten Halbzeit oft am Ball, doch effektiv ist er genauso wenig wie der Rest seiner Mannschaft. Die Nürnberger gefallen sich ein bisschen am schönen Passspiel, sie schicken sich die Bälle in Hüft- oder Brusthöhe zu, was die nötige Zielstrebigkeit erheblich erschwert. Wie es idealerweise auszusehen hat, zeigt die Mannschaft direkt nach der Pause, als der Ball nach drei direkten Flachpässen auf dem Fuß von Ivica Banovic landet und der im Nachsetzen den Ausgleich erzielt. Am Anfang dieser Passfolge hat Marek Mintal gestanden.

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