Sport : Mariendorfer Zugpferd

Glückauf läuft für zwei Fußballprofis und einen guten Zweck

Heiko Lingk

Berlin. In den vergangenen Monaten konnte die Trabrennbahn in Mariendorf nach außen hin nur wenig vom Stolz ihrer neunzigjährigen Geschichte präsentieren. Viel eher glich das Oval in Tempelhof einem leckgeschlagenen Tanker, der ohne Steuermann durch die Wogen wirtschaftlicher Schwierigkeiten und einer ständig wechselnden Funktionärspolitik schlingerte. Doch vielleicht findet die Piste, auf der Jahr für Jahr mit dem Derby das wichtigste deutsche Rennen ausgetragen wird, nun endlich Ruhe und Harmonie. Der Betrieb bis zum Abschluss der Saison 2005 ist jetzt finanziell abgesichert und das Damoklesschwert eines möglichen Konkurses vom Tisch.

Eine bessere Zukunft für die Traber und mehr Spaß und Unterhaltung für das Publikum – das ist das ehrgeizige Ziel, mit dem Ulrich Mommert, der neue Vorsitzende des Rennklubs, sein Amt übernommen hat. Dafür wird der Unternehmer aus der Autozulieferbranche viel Unterstützung brauchen. Hilfe bekommt er jetzt aus einer völlig unerwarteten Richtung: Ausgerechnet ein Pferd könnte bald zum Symbol für den Aufbruch in bessere Zeiten werden. Den passenden Namen, um solch eine Rolle zu spielen, hat es jedenfalls: Glückauf heißt der Wallach, der in seiner jungen Rennkarriere bisher alle drei Starts gewonnen hat. Am Wochenende wechselte das Pferd aus der Obhut des Sulky-Weltmeisters Heinz Wewering (Castrop-Rauxel) zu seinem neuen Trainer, dem zwölfmaligen Mariendorfer Champion Peter Kwiet. Der hat mit dem muskelbepackten Edeltraber einiges vor: Glückauf soll künftig jedes seiner Rennen für einen guten Zweck bestreiten. In Zusammenarbeit mit den großen Berliner Kliniken fließen alle Preisgelder kranken Kindern zu.

Um dies möglich zu machen, wird Kwiet das Pferd unentgeltlich betreuen und versorgen. Zudem wird sich in den kommenden Wochen eine prominente Besitzergemeinschaft um den schnellen Traber bilden. Zwei Fußballprofis haben sich für Glückauf und die Idee schon begeistern können, das Pferd für hilfebedürftige Kinder laufen zu lassen. Der 44-malige Nationalspieler Carsten Ramelow von Bayer 04 Leverkusen und Giuseppe Reina, der für Borussia Dortmund stürmt, haben sich als Erste für die Mariendorfer Gemeinschaft angemeldet. Weitere Prominente könnten folgen.

Bisher ist die Bilanz des Wallachs makellos, und die Voraussetzungen sind sehr günstig, dass Glückauf auch weiter vorn mitläuft und damit viel Geld sammelt. „Das Pferd kann jede Menge Tempo gehen und ist erst drei Jahre alt. Ich glaube fest, dass Glückauf seinen Weg machen wird“, sagt Heinz Wewering, der bisher das Pferd trainiert hat. Weit über das Umfeld seines Rennstalls hinaus soll der kraftvolle Traber so zu einem echten Sympathieträger werden. Es wäre ein Schritt nach vorn, den der angeschlagene Trabrennsport in Mariendorf dringend nötig hätte.

Wie eine Maschine soll das Pferd nicht laufen, aber es hat einen bekannten und erfolgreichen Namensvetter aus der Welt der Technik. Auch der erste dampfbetriebene Tanker, der sich 1886 als hochseetüchtig erwies, hieß Glückauf.

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