Sport : Mario Basler

Heinrich Geiselberger

Die versammelten Fotografen versäumen beinahe den Beginn des Spitzenspiels im Olympiastadion. Ihre Objektive richten sie nicht auf den Anstoßkreis, sondern auf die Ersatzbank der Gäste. Dort, im hintersten Winkel der Plexiglashütte, sitzt zur allgemeinen Enttäuschung Mario Basler (Foto: dpa). Schließlich sind alle 63õ000 Besucher gespannt auf die Begegnung der ehemaligen Schafkopfpartner Basler und Giovane Elber. Die haben sich in der vorigen Woche ein verbales Fernduell ("Elber ist für mich gestorben!" - "Scheiß auf Mario!") geliefert, das dem zwischen den ehemaligen Eheleuten Bohlen und Feldbusch in nichts nachstand. Doch weil Andreas Brehme Basler nicht gegen den schnellen Paulo Sergio spielen lassen will, muss der frühere Münchener von draußen ansehen, wie seine Elf bereits nach wenigen Minuten in Rückstand gerät.

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Bundesliga-Tippspiel: Das interaktive Fußball-Toto von meinberlin.de Beim ersten Gegentor gestikuliert er noch wild und redet auf seine Nebenleute Thomasz Klos und Youri Djorkaeff ein. Doch bereits nach dem zweiten Tor verfällt er in eine seltsame Apathie. Die Bayern-Fans halten ihm in Sprechchören vor, er sei nur noch ein Auswechselspieler. Basler stört das nicht. Er wechselt lediglich die Sitzposition. Vom Mario Basler, der einst bei Ecken gegnerische Fanblocks zur Weißglut brachte, ist wenig zu spüren. Nach der Pause kommt Basler erst mit einigen Minuten Verspätung zurück und setzt sich in seine Ecke. Da Klos inzwischen eingewechselt wurde, bleibt zwischen Basler und Youri Djorkaeff ein Platz frei. Die einsamen Genies unterhalten sich nicht. Was soll man auch mit jemandem reden, "der wo nicht der Landessprache mächtig ist", wie Basler einmal beklagt hat. Als er dem Franzosen nach einem verlorenen Kopfballduell mit der Hand am schütteren Scheitel illustriert, wie knapp es gewesen sei, zeigt sich Djorkaeff desinteressiert. Basler versinkt erneut in Regungslosigkeit.

Nur als die Bayern-Fans minutenlang rufen "Wir wollen den Basler sehen!", blitzt kurz die alte Kampfeslust auf. Basler, der von sich sagt, er fühle sich im Stadion erst dann richtig wohl, wenn 50 000 ihm "ein Bein abhacken wollen", steht auf und winkt müde gen Südkurve. Es ist seine letzte Reaktion. Selbst als sich Giovane Elber seine Kinder in den Innenraum bringen lässt, guckt Basler gar nicht hin. Kurz vor dem Abpfiff verschwindet er lächelnd im Kabinengang und taucht erst wieder auf, als Oliver Kahn ein Interview gibt. Nach 90 Minuten auf der Bank hat er wenigstens Kraft für die mediale Nachspielzeit. Basler legt die Hand ans Ohr, um seinem alten Kollegen zu lauschen: "Mal hören, was der so erzählt." Als Kahn die Lauterer für ihre Erfolge lobt, springt Basler jubelnd durch die Journalisten. Bei einem Sieg hätte er sich wohl nicht so seltsam aufgeführt.

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