Sport : Marios Rehabilitation im Südwesten (Glosse)

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Es gibt größere Städte als Kaiserslautern. Trotzdem tragen die Herren Fußballprofis aus der Pfalz die Nase ziemlich hoch, wenn sie dahin fahren, was sie Provinz nennen. So haben sie jedenfalls aufgespielt am Sonntag beim SSV Ulm, und nicht wenige haben sich gefreut, dass es im Duell zwischen dem großen und dem kleinen Südwestklub am Ende 3:1 für den Bundesliga-Aufsteiger hieß.

Wahrscheinlich haben sich Youri Djorkaeff, Michael Schjönberg und Jörgen Petterson in der Kabine noch über die schweren Aufgaben unterhalten, die auf Franzosen, Dänen und Schweden im kommenden Juni bei der EM warten. Otto Rehhagel aber hat es seinen Pseudo-Stars hinterher gnadenlos besorgt: "Nun hat auch der letzte meiner Spieler gesehen, dass Ballfertigkeit allein nicht ausreicht in der Bundesliga." Ein vernichtendes Urteil über den Charakter seiner alten Meistermannschaft.

Nur über den der Meistermannschaft? Otto Rehhagel ließ offen, ob mit seiner Predigt auch der dienstjüngste Kaiserslauterer Profi gemeint war, ein Mann, der schon vor Jahren in Bremen so etwas wie Artenschutz unter dem sonst so strengen Fußballlehrer genoss. Jedenfalls wusste am Sonntag in Ulm keiner so recht, warum dieser Mario Basler 90 Minuten lang als rechter Verteidiger nur leichte Sonntagsspaziergänge unternahm. Rehabilitationsmaßnahmen? Integrationshilfe? Beim Zweikampf ist der frühere Nationalspieler zweimal einfach umgeplumpst. Wie ein alter Mann. Oder Jung-Mario früher, in Neustadt an der Weinstraße, nach 20 Halben.

Halt, einen positiven Auftritt von Otto Rehhagels Lieblingsschüler haben die Chronisten dann doch registriert. Es war in der 62. Minute, während einer Verletzungspause. Basler warf einem kleinen Jungen mit blau-weißer Pudelmütze den Ball zu. Beim zweiten Versuch köpfte der Bub zurück.

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