Marko Pantelic : Apache will Frieden

Nach seinem Siegtor gegen den 1. FC Köln hofft Stürmer Marko Pantelic auf eine Versöhnung mit Hertha BSC und Trainer Lucien Favre.

Sven Goldmann
Hertha BSC Berlin - 1. FC Köln
Hertha feiert. Kacar (r.), Pantelic (M) und Friedrich (l.).Foto: dpa

Am späten Freitagabend macht das Berliner Novemberwetter seinem schlechten Ruf mal wieder alle Ehre. Düstere Nebelschwaden legen sich über den Rasen des Olympiastadions, die Temperatur robbt sich dem Gefrierpunkt entgegen, aber Marko Pantelic spürt die Kälte nicht. Das Apachenhaar wärmt seine Ohren, und um den Hals trägt er einen blau-weißen Hertha-Schal, der so ordentlich gebunden ist, als hätte ihn die Mama schon früh für den 1. Advent zurechtgemacht. Arne Friedrich kommt vorbei. Der Mannschaftskapitän tätschelt Pantelic die Wange, er klatscht und singt den Namen des Mannes, der Hertha BSC gerade den vierten Sieg in Folge beschert hat. Und dann Marko Pantelic. Drei Minuten und 31 Sekunden lang, ohne Punkt und Komma und taktische Zurückhaltung.

Wenn Marko Pantelic redet, kann das schon mal gefährlich werden. Vor allem für ihn selbst. Vor fünf Wochen hat es Pantelic mit einem weitgehend sinnfreien Monolog bis in die Show von Stefan Raab geschafft. Am späten Freitagabend nun will sich seine Leidenschaft erneut Bahn brechen. Es ist für ihn ein denkwürdiger Abend. Einer, der mit tristen 68 Minuten auf der Ersatzbank beginnt. Und vor den begeisterten Fans in der Kurve endet.

Marko Pantelic will seine Zukunft vielleicht doch in Berlin gestalten

Dazwischen liegt ein Tor, wie es bei Hertha BSC nur einer erzielen kann. Mit Gespür für Zeit und Raum ist Pantelic in einen Eckball von Patrick Ebert gehechtet und hat den Ball mit der Stirn zum späten 2:1-Siegtor gegen den 1. FC Köln ins Tor gewuchtet. Doch Marko Pantelic mag nicht über dieses Tor reden, das ist Vergangenheit, und an diesem kalten Abend interessiert ihn nur die Zukunft. Ja, er will diese Zukunft in Berlin gestalten, „vielleicht gibt es dafür noch eine Möglichkeit, über diese Saison hinaus“. Nach zehn Stationen in zwölf Profijahren fühlt sich der Serbe zum ersten Mal geliebt. Nicht vom Trainer, aber vom Publikum, und so etwas setzt man nicht einfach aufs Spiel. Gewiss, er habe Fehler gemacht, „aber ich bin auch nur ein Mensch“. Und zum Schluss seines diesmal ganz und gar nicht sinnfreien Monologs folgt der Satz, der ihm wahrscheinlich am schwersten fällt, er sagt ihn vorsichtshalber zweimal: „Ich reiche dem Trainer die Hand.“

Am Mittwoch noch hatte Pantelic dem Trainer nicht die Hand gereicht, sondern eine formgerechte Kriegserklärung. Über seinen Anwalt ließ er via Boulevard ausrichten, er fühle sich gemobbt. Zwei Tage und drei Punkte später nun sieht sich Herthas Trainer mit der Frage konfrontiert, was er denn machen würde mit der Hand des Marko Pantelic, wenn sie denn freundlich ausgestreckt auf ihn zukäme. Favre sagt, das freue ihn, „menschlich habe ich mit ihm ohnehin kein Problem, aber als Trainer muss ich sportliche Entscheidungen treffen und dabei immer das Beste für die Mannschaft herausholen“.

Trainer Favre mag Pantelic nicht

Favre mag Pantelic nicht, er ist ihm im Training zu faul und im Spiel zu egozentrisch. Zielstrebig hat der Trainer darauf hingearbeitet, seinen erfolgreichsten Stürmer eines Tages überflüssig zu machen. Nie schien er diesem Ziel so nahe wie in diesen düster-erfolgreichen Novembertagen, in denen Andrej Woronin drauf und dran ist, Pantelic den Rang als Publikumsliebling abzulaufen. Auch gegen Köln hat Woronin große Momente, seine blitzgescheite und technisch vollendete Vorarbeit zum 1:0 steht für den Fußball, den Favre sehen will. Hertha dominiert das Spiel, aber wie aus dem Nichts fällt der Kölner Ausgleich, und als das stete Berliner Anrennen keinen Erfolg zeitigt, muss es eben doch Pantelic richten.

„Das war sehr professionell – von Marko, aber auch vom Trainer“, sagt Herthas Manager Dieter Hoeneß, der weiß, wie schwer Favre die späte Einwechslung des ungeliebten Pantelic gefallen ist. Bei Hertha haben sie lange irritiert verfolgt, mit wie wenig Dankbarkeit der Trainer die unkonventionelle, am Ende aber stets zuverlässige Arbeit des Torjägers quittiert hat. Nach der jüngsten Mobbing-Affäre aber schien auch die Klubführung entschlossen, das Kapitel Pantelic nach 100 Bundesligaspielen und 41 Toren zu beenden. Nach 101 Spielen und 42 Toren könnte das ganz anders aussehen. Am Tag danach sagt Favre, der entscheidende Unterschied zur vergangenen Saison liege darin, „dass wir auf der Bank Qualitäten haben, mit denen wir ein Spiel entscheiden können“. Es gibt schönere Komplimente, aber die Ankündigung vom Ende der Ära Marko Pantelic klingt anders.

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