Marko Pantelic : Der Elfmetertöter

Marko Pantelic vergibt, wie beim Strafstoß gegen Wolfsburg, die einfachen Gelegenheiten – ganz Hertha schimpft, schaut aber nur zu.

Michael Rosentritt
Pantelic
Einfach daneben. Marko Pantelic verschießt gegen Wolfsburg. Sein vierter vergebener Elfer in Folge. -Foto: City-Press

Berlin - Marko Pantelic ist so etwas wie ein Star in Berlin. Der Fußballer hat einen großartigen rechten Außenrist, mit dem er herrliche Tore erzielt hat. 40 sind es bislang, was ihm bei Hertha BSC einen gewissen Status eingebracht hat. Kein Verteidiger spielt gern gegen den Stürmer, weil man ganz schnell ganz schlecht aussehen kann gegen ihn. Bei Pantelic weiß man nie, wann er abzieht – im Zweifelsfall immer dann, wenn eigentlich nicht damit zu rechnen ist. Seine ungewöhnliche Schusstechnik ermöglicht es ihm, aus Positionen zu schießen, die für gewöhnliche Rechtsfüßler schlicht aussichtslos sind. Pantelic liebt solche Positionen. Was er nicht mag, sind Positionen, die in ihrer Einfachheit unübertrefflich sind. Elfmeter zum Beispiel. Die versemmelt der Serbe in Serie. Vergangenen Sonnabend war es der vierte in Folge, den Pantelic verschoss. Der Aufschrei ringsum war entsprechend heftig.

Marko Pantelic ist unberechenbar. Dieser Wesenszug macht ihn stark und unangreifbar. Gegen Wolfsburg hätte er sich nur an die Absprache halten müssen, als es für Hertha beim Stand von 1:1 einen Elfmeter gab. Vorher war von Trainer Lucien Favre festgelegt worden, dass Cicero als Elfmeterschütze infrage kommt, stellvertretend Patrick Ebert. Cicero nahm sich auch den Ball, doch dann nahm Pantelic dem Brasilianer den Ball einfach weg. Es gab keinen Streit zwischen beiden. Cicero soll den Serben nur gefragt haben, ob er sich auch sicher sei. Pantelic verschoss und schlug die Hände vors Gesicht. Eine harmlose Geste, verglichen mit denen, die sich an der Seitenlinie abspielten: Lucien Favre wütete. Der elegante Schweizer vergaß für ein paar Minuten seine Contenance. Er trat wie einst Klinsmann gegen eine Werbetonne und warf sein Jackett auf den Boden. Favre mochte sich nicht beruhigen. Er schmetterte Worte über den Rasen, die denen, die nach dem EM-Finale zwischen Ballack und Bierhoff gefallen waren, nicht nachstanden. Noch fünf Minuten nach dem Fehlschuss bellte Favre entrückt „Scheiße“, „Scheiße“ und nochmals „Scheiße“ ins Spielfeld hinein.

Man muss dazu wissen, dass beide, Favre und Pantelic, nicht gerade das herzlichste Verhältnis pflegen. Favre weiß, dass Pantelic Herthas einziger Spieler ist, auf den das Prädikat Torjäger zutrifft. Andererseits ist er ihm viel zu eigensinnig und nicht mehr formbar. In Dieter Hoeneß hat Pantelic dagegen einen großen Fan. Zwar stößt sich auch Herthas Manager gelegentlich am divenhaften Habitus, aber er weiß nach seiner mühevollen Stürmersuche die Qualitäten des Serben zu schätzen. Hoeneß hat oft seine schützende Hand über Pantelic gehalten.

Marko Pantelic ist abgezockt. Während andere Spieler nach einem verschossenen Elfmeter nicht selten in sich zusammenfallen, spielte Pantelic weiter, als hätte es diesen Fehlschuss nie gegeben. Fünf Minuten vor dem Abpfiff bewies er seine Klasse, als er aus vergleichsweise guter Schussposition nicht selbst den Abschluss suchte, sondern den Ball auf Cicero schlenzte, der wenig Mühe hatte, den perfekt getimten Ball zum 2:1 zu verwerten. Da anschließend ein grober Abwehrfehler Steve von Bergens den Sieg verhinderte, war der verschossene Elfmeter das beherrschende Thema.

Es ist ein Thema, das eben nicht das beste Bild auf den Berliner Bundesligisten wirft. Alle wissen jetzt, dass es da einen gibt, der sich ungehindert über Absprachen hinwegsetzen darf. Es nutzt wenig, wenn hinterher alle Herthaner über Pantelics Eigensinn schimpfen. „Marko wird nicht wieder antreten. Zur Not gehe ich das nächste Mal hin und schieße“, sagte Arne Friedrich. Aber hatte jemand dem Kapitän oder den Mitspielern verboten, Pantelic schon diesmal aufzuhalten?

Das alles erinnert ein wenig an frühere Herthaspieler wie Alex Alves und Marcelinho, die ihren Sonderstatus auslebten. Ihre Exaltiertheit bekam der Klub nie in den Griff. Nun steht Favre vor einer kniffligen Situation. Es geht auch um seine Autorität. „Er sollte nicht schießen. Ein-, zweimal kann man das machen. Aber jetzt kann ich das nicht mehr akzeptieren“, hatte Favre nach dem Spiel gesagt. Am Tag danach mochte Favre seine Konsequenzen nicht ausführen. „Als Trainer musst du viel akzeptieren. Ich muss sehen, dass sich die Dinge verändern. Ich werde das intern klären. Das ergibt keine Story“, sagte er.

Und der Manager? „Damit hat Marko ein für allemal klargestellt, dass er keinen Elfmeter mehr schießen wird“, sagte Dieter Hoeneß und machte ein mildes Gesicht. Es sagte: Hertha hat andere Sorgen als diese Ungezogenheit ihres Torjägers.

Heute wird Marko Pantelic 30 Jahre alt. Die Glückwünsche seiner Mitspieler, des Trainers und des Managers werden nicht ausbleiben. Pantelic ist und bleibt Herthas größtes Versprechen auf Tore. Vielleicht nicht die einfachen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben