Marko Pantelic : Die allerallerallerletzte Chance

Nach dem Fehltritt von Andrej Woronin darf sich Herthas Ersatzstürmer Marko Pantelic zum Saisonende doch noch einmal in den Vordergrund spielen.

Ingo Schmidt-Tychsen[Hannover]
Pantelic
Zwei Stars, zwei Probleme. Andrej Woronin (r.) ist gesperrt. Marko Pantelic ist nicht des Trainers Liebling. -Foto: ddp

HannoverMarko Pantelic hält sich jetzt an die Regeln. Zum Beispiel, wenn die Öffentlichkeit mit Fragen an ihn herantritt.

Waren Sie unzufrieden, weil der Trainer Sie zuletzt auf die Bank gesetzt hat? „Über dieses Thema möchte ich nicht sprechen.“ Aber ein bisschen frustriert müssen Sie gewesen sein? „Als wir gewonnen haben, nicht.“ Dann hat es Sie frustriert, die vergangenen drei Niederlagen von draußen zu verfolgen? „Ich wurde ja zweimal eingewechselt, und in Hannover am letzten Samstag war ich verletzt.“

Nein, Pantelic lässt sich seinen Ärger kaum anmerken. Dafür ist die Sache dem 30 Jahre alten Stürmer zu wichtig. Die Sache, das ist eine irgendwie ja vielleicht doch noch mögliche Vertragsverlängerung in Berlin, Pantelic ist nur noch bis zum Sommer Angestellter des Fußball-Bundesligisten Hertha BSC. Und im Moment sieht es nicht danach aus, dass der Verein seinen erfolgreichsten Angreifer der vergangenen dreieinhalb Jahre halten würde. Trainer Lucien Favre tut sich schwer mit dem eigenwilligen Serben. Nun aber könnte noch einmal Bewegung in die schwierige Beziehung der beiden Männer kommen. Denn Andrej Woronin hat in Hannover die Rote Karte gesehen, das Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes wird in den kommenden Tagen eine Sperre gegen ihn verhängen. Im Heimspiel gegen Werder Bremen am kommenden Sonntag darf Pantelic ihn aller Voraussicht nach ersetzen.

Sicher, mit zwei oder drei guten Spielen wird Pantelic die Meinung von Lucien Favre über ihn nicht grundsätzlich ändern können. Doch die Situation in Herthas Sturm ist komplex. Der mit elf Treffern beste Stürmer Andrej Woronin ist nur geliehen, Hertha müsste dem FC Liverpool gut vier Millionen Euro überweisen, um mit Woronin verlängern zu können. Der 29-Jährige will bleiben, seine Bedingung ist allerdings ein langfristiger und gut dotierter Vertrag. Hertha könnte Woronin nur bei dem Erreichen der Champions League und mit den damit verbundenen Mehreinnahmen halten. Pantelic wäre die kostengünstige Variante: Er kostet keine Ablösesumme und dürfte auch in den Verhandlungen über sein Gehalt etwas unkomplizierter sein als Woronin. Noch immer, obwohl der Trainer ihn zuletzt kaum berücksichtigt hat, würde Pantelic seinen Vertrag bei Hertha gerne verlängern. Das sagt er inzwischen zwar nicht mehr so direkt, doch es ist an seiner Verhandlungsstrategie zu erkennen. „Ich habe keine Eile, der Verein kann noch bis zum Ende der Saison und länger mit mir sprechen“, sagt er. Woronin dagegen fordert immer wieder eine schnelle Entscheidung des Vereins. Doch Herthas Führung kann dem Ukrainer kein Angebot machen, solange die Champions League nicht erreicht ist. Und die wird sich Hertha, wenn überhaupt, wohl erst Ende Mai sichern.

Marko Pantelic oder Andrej Woronin? Hertha wird nur einen der beiden Stürmer behalten. Vielleicht lässt der Klub am Ende sogar beide gehen, weil Favre Pantelic nicht will und Woronin nicht finanzierbar ist. Es wäre schade um zwei interessante Charaktere, die den Verein zuletzt belebt haben. Auch wenn Woronin am Samstag für seine Tätlichkeit gegen Leon Andreasen zu Recht die Rote Karte gesehen hatte und dem Hannoveraner danach aus Frust auch noch den Ball in den Rücken schoss. Am Tag danach entschuldigte er sich bei seiner Mannschaft und den Fans: „Das war blöd von mir, gerade jetzt, da wir Punkte brauchen.“

Vielleicht ist es die allerallerallerletzte Chance für Marko Pantelic. Für den von den Fans geliebten Egozentriker, der selbst auf der Ersatzbank für erheiternde Bilder sorgen kann. So wie beim Heimspiel gegen Borussia Dortmund vor gut einer Woche zum Beispiel. Mit dicken Kopfhörern und Sonnenbrille hatte er sich auf die Sitze neben dem Rasen gefläzt. In dem Sweatshirt sah Pantelic nicht eben so aus, als ob er etwas mit der Veranstaltung auf dem Spielfeld zu tun hätte. Ein bisschen Protest muss halt doch sein.

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