Sport : Marko Rehmer: Schlafen, zahlen, aufwachen

Michael Rosentritt

Solche Tage gibt es. Eigentlich wollte sich Marko Rehmer einen schönen trainingsfreien Montag machen, mit Ausschlafen, Kaffee trinken gehen, ausgedehntem Spaziergang und so. Doch leider gab es am Sonnabend zuvor diese verflixte siebente Spielminute im Bremer Weserstadion. Herthas Nationalspieler hatte einen Sekundenschlaf. Der von ihm zu bewachende Claudio Pizarro konnte ungehindert im Anschluss an einen Eckball ins Tor köpfen. Es war der Anfang vom Ende der Berliner Hoffnungen. Hertha BSC verlor 1:3.

47 Gegentore haben die Berliner in dieser Saison schon kassiert, nur vier Mannschaften sind noch schlechter. Das regt vor allem Herthas Trainer Jürgen Röber auf. Rehmer war der erste, der Röbers Zorn zu spüren bekam. Nach dem Spiel sprach der Trainer eine Strafe gegen seinen Nationalspieler aus. Nun musste Rehmer am freien Montag nicht zum Sondertraining antraben, und er muss auch beim nächsten Auswärtsspiel nicht die Taschen der Kollegen zum Mannschaftsbus schleppen. Marko Rehmer muss eine Geldstrafe zahlen. Wie hoch diese ausfällt, wollte Röber nicht sagen. "Das bleibt intern." Viel interessanter aber ist, dass ein Fußballprofi bestraft wird, weil er durch seinen Fehler ein Gegentor ermöglicht hat.

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Geldstrafen im Fußball sind durchaus üblich. Eine Liste der Vergehen hängt auch bei Hertha aus, in der Kabine, inklusive aller üblichen Klassiker. Zahlen muss, wer im Mannschaftsbus telefoniert, auf Dienstreisen nicht den Vereinsanzug trägt, eine Autogrammstunde verschwitzt oder zu spät zum Training kommt - und so weiter und so weiter. Erst zum Saisonbeginn wurde Herthas Bußgeldkatalog reformiert. "Wir haben die Strafgelder drastisch erhöht", sagt Röber, "Sie können auch schreiben: den höheren Bezügen der Spieler angeglichen." Es trifft ja keine Armen.

Röber weiß, dass er mit der Strafe gegen Rehmer einen "ungewöhnlichen Weg" einschlägt, der "wehtut". Röber wisse nicht, wie oft über diese Fehler oder Konzentrationsschwächen gesprochen wurde. "Und dennoch passieren uns diese Dinger immer wieder. Mit einer Geldstrafe werden wir das zwar nicht hundertprozentig abstellen. Aber es erhöht die Konzentration der Spieler um ein paar Prozent."

Nach der Niederlage in Cottbus vor drei Wochen hatte Röber derartige Überlegungen der Mannschaft anvertraut. "Ich habe lange überlegt, aber irgendwann müssen Konsequenzen her", sagt Röber. "Manchmal muss ein Spieler zu seinem Glück gezwungen werden." Er glaubt nicht, dass eine solche Maßnahme zusätzlich für Verunsicherung sorgen wird. "Wenn ich das schon höre - verunsichern", sagt Röber. "Es musste was passieren, und ich habe einfach mal spontan gehandelt."

So spontan, dass nicht mal Dieter Hoeneß Genaueres wusste. "Von Vereinsseite gibt es Geldstrafen nur bei vorsätzlich vereinschädigendem Verhalten", sagt der Berliner Manager. "Das ist bei Marko Rehmer nicht der Fall. Aber ich will nicht ausschließen, dass sich der Trainer und die Mannschaft auf eine interne Regelung verständigt haben."

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