Sport : Markranstädt muss sein

Die SCC-Volleyballer haben keine Lust auf den Tabellenletzten

Karsten Doneck

Berlin. Was Kaweh Niroomand verkündete, klang fast ein bisschen hochnäsig. „Unsere Mannschaft voranzubringen, das ist nicht möglich, wenn sie zwei-, dreimal in der Saison gegen Markranstädt spielen muss“, hatte der Manager des Volleyball-Bundesligisten SC Charlottenburg gesagt, als er auf die Bedeutung der Teilnahme an der Champions League hinweisen wollte. Bernd Kunze, der neue Pressesprecher des SCC, meint, es sei nach dem 3:2-Auftaktsieg im Europapokal gegen Polens Meister Czestochowa am Mittwoch „nun wieder nationale Hausmannskost angesagt“.

Ob derlei Worte klug gewählt sind? Es lässt sich nämlich nicht vermeiden, dass der Deutsche Meister mindestens dreimal in dieser Saison gegen den Aufsteiger und derzeitigen Tabellenletzten VC Markranstädt antreten muss – an diesem Sonntag zum Beispiel (15 Uhr, Sömmeringhalle) im Viertelfinale des deutschen Pokalwettbewerbs. Dazu kommen als Minimum zwei Punktspiele, wobei die erste Begegnung bereits stattgefunden hat: Der SCC als Tabellenführer hatte sich Ende Oktober in Markranstädt, zehn Kilometer südwestlich von Leipzig, mit 3:0 (25:16, 25:21, 25:21) durchgesetzt.

Vorangebracht im Niroomandschen Sinne hat die Charlottenburger diese Partie allenfalls dadurch, dass Trainer Mirko Culic nach Herzenslust experimentieren konnte und auch mal jene Spieler unter Bundesliga-Bedingungen gesehen hat, die sonst nur sporadisch zum Einsatz kommen. Ansonsten ging es für den SCC in der Sporthalle des 13 500 Einwohner zählenden Städtchens recht beschaulich zu. Was einige beim SCC dazu veranlasste, das große Leistungsgefälle in der Bundesliga am Beispiel des VC Markranstädt festzumachen. Berechtigt oder nicht? Auf jeden Fall werden die Sachsen durch die großen Sprüche des SCC hoch motiviert nach Berlin kommen.

Oder doch nicht? Es hat beim VC Markranstädt jüngst mächtig Wirbel gegeben. Manager Michael Nickeleit wusch der Mannschaft gehörig den Kopf. Auf der Homepage des Vereins drosch er verbal auf die Spieler ein. „Wir lassen uns Arroganz und Selbstüberschätzung, gepaart mit einer ungesunden Lebensweise, nicht mehr länger bieten“, stand da, von mehr Kontrolle und künftiger Abstrafung war die Rede. Um den Konkurrenzkampf anzustacheln und aus dem Tief herauszukommen, wurden in dieser Woche mit Djordje Djuric und Patrik Pislovic zwei starke Spieler aus Osteuropa verpflichtet.

Günter Trotz, der Geschäftsführer der SCC-Volleyballabteilung, wiegelt denn auch ein bisschen ab: „Die Dreifachbelastung mit Champions League, Meisterschaft und Pokal muss unsere Mannschaft erst mal verkraften“, sagt er. Und auch Niroomand meint: „Markranstädt ist sicherlich ein ganz anderes Niveau als in der Champions League. Aber ich will nicht lamentieren, da müssen wir einfach durch.“

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