Sport : Markt für Pässe

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Neulich, ein türkischer Taxifahrer in Berlin klagt am Steuer: „Mein 15-jähriger Sohn spielt bei Tennis Borussia, die türkische Jugendauswahl spricht uns dauernd an, aber ich kann ihn doch nicht nach Istanbul fliegen lassen, da war er noch nie alleine.“ Nicht nur er fühlt sich überfordert.

So unverständlich, absurd und abstoßend die Rassismus-Debatte im französischen Fußball sein mag, wonach der Verband nur noch höchstens 30 Prozent Einwandererkinder ausbilden will – sie hat einen handfesten Kern: das Gefeilsche um die Pässe von Jugendspielern.

Es geht mitnichten um das Hirngespinst, dass dunkelhäutige oder muslimische Spieler mehr Probleme verursachen würden – auch wenn das Frankreichs Rechte behauptet, mit Hinweis auf den Eklat bei der WM 2010 (zwei der vier dafür gesperrten Spieler waren übrigens Weiße). Nein, es geht darum, dass Frankreich seit Jahren in seinen Jugendstützpunkten Nationalspieler für andere Verbände ausbildet. Bei der WM 2010 etwa waren 18 von 23 Spielern im algerischen Kader in Frankreich aufgewachsen.

Statt selbst auszubilden, werben kleinere Verbände lieber die Kinder von Auswanderern an. Eine Tendenz, die auch im deutschen Jugendfußball um sich greift, wie das Einstiegsbeispiel zeigt. Die Nationalmannschaften, früher das beständige Gegenstück zur hektischen Transferwelt der Klubfußballs, sind längst auch zum Markt geworden. Statt um Ablösesummen geht es um Pässe. Schuld ist der Weltverband Fifa, der einen Wechsel des Nationalteams vom Jugend- bis ins Erwachsenenalter zulässt, solange noch kein A-Pflicht-Länderspiel bestritten wurde.

Im Interesse aller Beteiligten und auch um Ausgrenzung und Rassismus durch hilf- und hirnlose Verbände einzudämmen, sollte die Fifa eine klare Regel einführen: ein Spieler, ein Verband, dabei bleibt’s, schon ab der Jugend. Doch das könnte Fifa-Chef Sepp Blatter ja die Stimmen der kleinen Verbände kosten.

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