Markus Babbel : Ein Stück weit König

Am 5. Juli wird Markus Babbel mit seinem Kader die Vorbereitung auf die Zweitligasaison beginnen. Babbel will Herthas Spieler für die Mission Wiederaufstieg begeistern – Roman Hubnik bleibt.

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Gekommen, um zu bleiben. Markus Babbel ist nicht nur als Tourist in Berlin. Er will Hertha BSC wieder in die Bundesliga führen.
Gekommen, um zu bleiben. Markus Babbel ist nicht nur als Tourist in Berlin. Er will Hertha BSC wieder in die Bundesliga führen.Foto: dpa

Berlin - Hertha BSC muss gerade eine seltsame Erfahrung machen. Der Verein befindet sich gewissermaßen in zwei verschiedenen Zeitzonen: Auf dem Trainingsplatz ist noch die Vergangenheit am Werke; in der Geschäftsstelle hingegen bereitet die Zukunft bereits ihre Regentschaft vor. Und die Zukunft legt großen Wert darauf, der Vergangenheit in der Gegenwart aus dem Weg zu gehen. Nicht aus Missachtung vor Friedhelm Funkel, der gestern Nachmittag seine vorerst letzte Trainingseinheit auf Berliner Boden leitete, sondern aus Respekt vor dessen Arbeit. „Er soll seinen Job in aller Ruhe zu Ende bringen“, sagt Markus Babbel, der offiziell erst am 1. Juli als Trainer bei Hertha anfängt. Solange Funkel noch den Saisonausklang verwaltet, will Babbel ihm seinen Anblick ersparen. So etwas gehöre sich einfach nicht, findet der 37-Jährige, und deshalb hat er die Vertreter der Berliner Medien gestern auch nicht auf Herthas Vereinsgelände empfangen, sondern in den Räumen des Deutschen Olympischen Sportbundes in Berlin-Mitte.

Seit vier Tagen ist Markus Babbel jetzt in der Stadt, die ihm zunächst für ein Jahr sportliche Heimat werden soll. So lange gilt sein Vertrag bei Hertha BSC, steigt die Mannschaft direkt wieder in die Fußball- Bundesliga auf, verlängert sich die Zusammenarbeit um ein weiteres Jahr. Die Konstruktion verpflichtet Babbel zum Erfolg, und doch ist sie am Dienstag bei Herthas Mitgliederversammlung auf einige Kritik gestoßen, weil man sie auch als ein Hauch von Misstrauen gegen den neuen Trainer interpretieren kann. „Für mich ist das keine Belastung“, sagt Babbel selbst über das Vertragswerk. „Wir müssen wieder hoch. Wenn ich es nicht schaffen sollte, wird der Verein reagieren müssen.“

Der erste Eindruck: Markus Babbel wirkt sehr entschlossen. „Die Energie ist da“, sagt er. Im Dezember hat er seinen Job beim VfB Stuttgart, seinen ersten als Cheftrainer, verloren, bis April war Babbel dann noch mit dem Trainerlehrgang in Köln beschäftigt, den er mit „’nem Zweier“ abgeschlossen hat. Viel Zeit blieb Babbel seitdem nicht, doch er hat den kurzen Zustand ohne berufliche Verpflichtung genossen – und genießt ihn noch: „Ich habe sehr viel geschlafen, Sport getrieben. Ich lebe in den Tag hinein, ohne einen Plan zu haben.“ Das wird sich bald ändern. Für Markus Babbel gilt das Gleiche wie für seinen neuen Arbeitgeber: „Man kann Reset drücken und einen Neustart machen.“

Herthas künftiger Trainer trägt den Willen zum Erfolg mit großer Selbstverständlichkeit zur Schau. „Wir werden eine gute Mannschaft am Start haben“, sagt er. Wie sie im Detail aussieht, ist weiterhin fraglich. Gestern konnte Hertha zuerst den Verbleib von Roman Hubnik vermelden. Der tschechische Innenverteidiger unterschrieb einen Vierjahresvertrag. Dann verkündete Manager Michael Preetz auf einem Sponsorentreffen den Verbleib der Offensivkräfte Raffael und Adrian Ramos. Fabian Lustenberger könnte dem Trio bald folgen. „Wir sind im Gespräch mit vielen Spielern“, sagt Babbel. Alle halten kann Hertha nicht, „weil wir auch ein bisschen Geld brauchen“. Mit Torhüter Jaroslav Drobny, der eigentlich schon seinen Abschied verkündet hatte, hat sich der neue Trainer noch einmal unterhalten. Möglich, dass er doch bleibt. Das Problem ist: Drobny kann sich bisher nur schwer mit der Zweiten Liga anfreunden.

Babbel aber braucht Spieler, die sich – wie er selbst – für die Mission Wiederaufstieg begeistern können, die auch die Chance erkennen, sich der Situation zu stellen und „ein Stück weit König zu werden“. Auch deshalb will er auf junge Spieler mit Berliner Hintergrund setzen. Sogar Patrick Ebert, zuletzt kaum noch Ergänzungsspieler, könnte bei Hertha wieder eine Perspektive haben. „Ich halte persönlich sehr viel von ihm“, sagt Babbel. „Er ist ein Berliner Junge, einer von denen, die Hertha in sich tragen.“ Allerdings, und das sagt Babbel zumindest verklausuliert, kann Ebert nicht damit rechnen, zu den bisherigen Erstligakonditionen weiter für Hertha spielen zu dürfen.

Am 5. Juli wird Babbel mit seinem Kader die Vorbereitung auf die Zweitligasaison beginnen. Die Rahmendaten stehen, die Einzelheiten müssen noch geklärt werden. So will Babbel mit der Mannschaft zwei Trainingslager abhalten, wann und wo, das steht noch nicht fest. Allerdings werden sich die Spieler auf Einbußen beim Komfort einstellen müssen. „Man muss auch merken, dass wir nicht mehr Erste Liga sind“, sagt Markus Babbel. „Schöne Hotels und die ganzen Annehmlichkeiten – das müssen sich die Spieler erst wieder verdienen.“

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