Markus Babbel : Hektisches Wasserschöpfen

Nach dem 1:3 gegen den FC Sevilla sieht Stuttgarts Teamchef Markus Babbel einem Endspiel in der Bundesliga gegen Hannover 96 entgegen.

Oliver Trust[Stuttgart]
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Blick ins Leere. Markus Babbel braucht unbedingt ein Erfolgserlebnis, um Teamchef beim VfB Stuttgart zu bleiben. Foto: ddpddp

Wenn es stimmt, dass Jens Lehmann zu denen im Stuttgarter Kader gehört, die Manager Horst Heldt über Stimmungen und Ansichten aus der Mannschaft berichten, muss man sich ernsthaft Sorgen machen – um Markus Babbel und den VfB Stuttgart. Nach dem 1:3 (0:1) Stuttgarts gegen den FC Sevilla in der Champions League konnte sich Heldt die Befragung Lehmanns sparen. Der Galgenhumor des Torhüters ließ keinen Zweifel an dessen schlechter Laune: „Die meisten Tore, die ich bekomme, sind Torwartfehler.“

Spätestens seit Markus Babbel in der Kabine eine emotionale Rede hielt, weiß jeder in Stuttgart: Das nächste Bundesliga- Spiel bei Hannover 96 darf für den Teamchef als Endspiel angesehen werden. Babbel hielt sich dennoch tapfer an der passablen ersten Hälfte fest, ignorierte seine Gnadenfrist von vier Tagen bis zur Hannover-Partie und hielt eine flammende Rede – auch in eigener Sache. Der 37 Jahre alte Bayer wusste in dem Moment, eine gute Stunde nach dem Spiel, dass man ihm auch in der oberen Etage der Schwaben-Arena aufmerksam zuhörte.

Nachdem Babbel davon gesprochen hatte, alles dafür zu tun „dass dieser Klub aus der Krise findet“, steckte in den Vip-Räumen die Klubführung um Präsident Erwin Staudt, Finanzvorstand Ulrich Ruf, Sportvorstand Horst Heldt und Aufsichtsrats-Chef Dieter Hundt die Köpfe zusammen und beschloss: Babbel erhält eine weitere Chance. Auch, weil die Alternativen fehlen. Der Name Marcel Koller mag beim VfB noch niemanden begeistern, Jürgen Klinsmann und Bernd Schuster sind zu teuer.

So sehr Babbel nach dem Spiel gegen Sevilla zurecht positive Ansätze herauskehrte, so wenig kann er mit einer konstanten Leistungsentwicklung punkten. Gegen Sevilla spielte der Mexikaner Ricardo Osorio – und das sehr gut. Man darf fragen, warum er sein erstes Spiel seit dem 15. März 2009 machte. Spät entschloss sich Babbel zu einer Systemänderung, weg von der Viererkette im Mittelfeld hin zur Raute. Was im Kader nicht allzu gut ankam: Die VfB-Profis hatten gegen Babbels Rotationspläne opponiert. Der Teamchef lässt trotzdem weiter rotieren, oft genug, weil er dazu gezwungen wird, weil sich persönliche Fehler häufen. Oder weil sich einer verletzt: Am Mittwoch wurde bekannt, dass Cacau für mindestens drei Wochen ausfällt. Der Stürmer zog sich gegen Sevilla einen Muskelfaserriss im Hüftdrehmuskel zu. Niemand beim VfB weiß, wo die nächsten Löcher entstehen. „Ich habe eine Leistung gesehen, die meine Arbeit bestätigt“, sagte Babbel. „Der Verein steht hinter mir.“

Und Manager Heldt bestätigte: „Wir führen keine Trainerdiskussion. Vielleicht liegt es an der Qualität der Spieler.“ Was Jens Lehmann wohl dazu sagt?


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