Sport : Marschflugkörper in Omas Mieder

Philipp Köster

Neulich in Hamburg im Stadion. Meine Eintrittskarte war gültig und meine Kleidung zumindest nicht nachlässig. Was den Ordner am Stadioneingang jedoch kalt ließ, der Mann im Neon-Leibchen tastete mich mit grimmiger Miene ab, als hätte ich lauthals verkündet, mich vor Anpfiff halbnackt an der Eckfahne anzuketten. Da fragte ich mich doch: Müssen die so sein? Ich erwarte gar nicht, mit freundlichem Callcenterblick ins Stadion geleitet zu werden, wie ein entlaufener Strafgefangener möchte man allerdings auch nicht unbedingt empfangen werden.

Natürlich haben es Ordner nicht leicht. Gibt wirklich spannendere Aufgaben als alkoholisierte Männer nach mitgebrachten Eierhandgranaten abzutasten. Einige reagieren allerdings etwas seltsam auf die intellektuelle Unterforderung.

Manche nehmen ihren Job deutlich zu ernst, durchsuchen selbst Omas sorgfältig nach im Mieder versteckten Marschflugkörpern und konfiszieren Feuerzeuge mit dem Ruf „Na, was haben wir denn da!“, immer in der Hoffnung, zum Bereichsleiter befördert zu werden und dann Angebersätze wie „Wir haben zwei Siebenen gefünft“ oder „Zugriff am Osttor“ ins Headset zu raunen. Andere lümmeln unlustig am Zaun und winken betrunkene Jungspunde durch, aus deren Rucksäcken Raketen der Marke „Armageddon 5000 plus“ ragen. Und wiederum Dritte entdecken den Sadisten in sich und schicken Auswärtsfans mit Absicht in die falsche Richtung. „Zum Gästeblock? Einmal ums Stadion herum.“

So war es nämlich in Hamburg. Ich irrte nach der Wegbeschreibung des Ordners planlos im Stadion umher und war anschließend sehr schlechter Stimmung. Den Ordner habe ich allerdings nicht noch mal angesprochen, ich wäre sicher frech geworden, und sofort hätte es geheißen: Zugriff am Osttor!

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