Maskottchenrennen : Tiere der Großstadt

Sie feuern immer an, doch beim Lauf gegeneinander bei "11 Freunde" am Samstag in Berlin werden sie angefeuert: die Maskottchen der Fußballklubs. Wir stellen unsere Lieblinge vor.

278996_0_add71cdb.jpg Montage: Mika
Berni, Fritzle, Keule, Erwin, Herthinho (von links nach rechts).Montage: Mika

Der brasilianische Bär



2 Meter 35 ist er groß, laut Vereinsangaben stolze 180 Kilo schwer. Seit fast zehn Jahren tappst Herthinho bei Herthas Heimspielen um das Spielfeld im Olympiastadion herum – in doppelter Ausführung sogar, es gibt zwei Herthinhos, die sich die Schicht während der Spiele teilen und sich im Spielergang unbemerkt auswechseln. Herthas Bär war zuerst namenlos, bekam erst von einem Fan seinen Ruf weg. Inzwischen ist das Maskottchen mit der Rückennummer 92 so populär, dass auch Fans sein Trikot tragen. Herthinho hat sogar schon mitgespielt – 2003 unter Trainer Huub Stevens und 2005 unter Falko Götz, in Freundschaftsspielen natürlich nur. Claus Vetter


Der gute Kumpel

Ein Maskottchen, das immer Mensch geblieben ist: Der Schalker Erwin braucht keine Löwenmähne, kein Riesenmaul und keine Reißzähne. Erwin ist Kummer gewohnt, weint aber keine Krokodilstränen. Erwin ist ein guter Kumpel, wie sich das fürs Maskottchen eines Revierklubs gehört. Dabei ist Erwin etwas gutgläubig. Einmal trat er zu einem Rennen gegen das zottelige Tier eines anderen Bundesligisten an (Name ist der Redaktion bekannt). In der gegnerischen Verkleidung steckte ein Nachwuchstalent aus der Leichtathletikabteilung des Vereins, das mit Laufschuhen startete. Mit seinen unförmigen Füßen hatte Erwin keine Chance. Gemein! Solche Bilder wollen wir nie wieder sehen. Schon gar nicht beim Rennen am Samstag. Markus Hesselmann

Das Neckar-Krokodil

Wenn ein kleiner Fan die Mitarbeiter des VfB Stuttgart fragt, woher das Maskottchen Fritzle stammt, sagen sie: „Das ist das Neckar-Krokodil.“ Das freilich ist eine Lüge. Man kann nur hoffen, dass schwäbische Kinder wissen, dass ein Krokodil aus dem Neckar völliger Blödsinn ist. Tatsächlich gibt es gar keinen vernünftigen Grund, warum der Stuttgarter Verein für Bewegungsspiele ein Krokodil als Maskottchen hat. Aber es gibt eine Erklärung: 1992 wollte der damalige Manager Dieter Hoeneß unbedingt ein Maskottchen für den Klub und ließ öffentlich danach suchen. Die Vorschläge kamen zahlreich: Tiger, Känguru, Maus, der ganze Zoo quasi. Ein Pferd war auch dabei, denn im Stuttgarter Wappen ist ja auch eins zu finden. Doch die Stuttgarter Fans, die in der Vereinszeitung darüber abstimmten, wählten das Krokodil und gaben ihm den Namen „Fritzle“. Bleibt noch zu erwähnen, dass das mit der direkten Demokratie manchmal auch keine gute Idee sein muss. Benedikt Voigt

Der eiserne Ritter

Gestatten: Keule. Knubbelnase, Ritterausrüstung und mindestens Schuhgröße 50. Seit ein paar Jahren ist das rüstige Kerlchen als offizieller Glücksbringer des 1.FC Union unterwegs. In einer Zuschauerabstimmung unter den Anhängern setzte er sich durch und wurde durch den Hauptmann von Köpenick höchstpersönlich in sein Amt berufen. Keule ist nicht vorzuwerfen, dass er seinen Job nicht mit aller Ernsthaftigkeit ausführen würde. Im Jahr 2002 flog er sogar einmal vom Platz, weil er sich zusammen mit dem Berliner Torschützen ein wenig zu überschwänglich über den 1:0-Führungstreffer gegen Lübeck freute. Jedenfalls aus Sicht des strengen DFB, der ihn daraufhin aus dem Innenraum verbannte. Keule blieb davon zum Glück unbeeindruckt und treibt sein Unwesen mit den Unionern künftig wieder zweitklassig. Das ist wirklich eisern. Katrin Schulze

Der bayrische Bär

2006 wurde der Problembär, der von manchem auch Schadbär genannt wurde, durch die Wälder Bayerns gejagt und schließlich erlegt; die ganze Nation nahm Anteil an seinem Schicksal. Es war aber Bruno und nicht Berni, obwohl manch anderer Fan dem Maskottchen des FC Bayern (nein, nicht dem armen Menschen, der da drinsteckt) ein ähnliches Ende wünscht. Berni ist der Nachfolger des tonnenartigen Lederhosen-Männchens Bazi, groß und stark, aber auch schusselig und tapsig. Und ein Versager: Er wurde 2004 im entscheidenden Spiel gegen Bremen um die Meisterschaft zum ersten Mal eingesetzt. Bayern verlor mit dem Maskottchen, das da noch gar keinen Namen hatte. Es ist klar, wie Berni heißen würde, wenn es Bruno schon gegeben hätte. Mathias Klappenbach

Während der Massensprint der Plüschkollegen in England seit längerem zur alljährlichen Folklore gehört, treffen sich die Fußball-Maskottchen hierzulande am Samstag erstmals zu einem Rennen. Im Stadion „Wrangelritze“ in Kreuzberg spurten 13 Vertreter aus den deutschen Profiligen im Rahmen des 11-Freunde-Fanfests (10 bis 22 Uhr, Wrangelstraße 98) um die Krone des schnellsten Maskottchens. Ein klarer Favorit ist nicht auszumachen, auch wenn den einheimischen Vertretern Herthinho von Hertha BSC und Unions Ritter Keule ein Heimvorteil eingeräumt wird. Die wollen nichts davon wissen. Ritter Keule sagt: „Ich sehe mich als krasser Außenseiter. Die enorme Körpergröße und meine riesigen Schuhe werden keinen vorderen Platz zulassen.“ Allerdings wird die Schuhgröße nahezu allen Teilnehmern zum Nachteil gereichen. Am heutigen Freitag laden die 11Freunde ab 20 Uhr zum Saisonrückblick mit TV-Reporter und Tagesspiegel-Kolumnist Marcel Reif in den Admiralspalast (11 Euro an der Abendkasse). Philipp Köster



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