Masters of Legends : Tennis-Rentner außer Atem

Als Legenden an gepriesen, sollten sie mit spektakulärem Tennis die Massen wieder für den weißen Sport begeistern. Doch das „Masters of Legends“ ist vielmehr ein aufgebauschtes Event, das zu einer One-Man-Show und künstlichen Euphoriebekundungen von Moderator, Kommentator und Spielern mutierte.

Hakan Uzun
John McEnroe
Voll im Element: John McEnroe schimpfte wie ein Rohrspatz im Duell gegen Becker. -Foto: ddp

Licht aus, Spot an - die Veranstaltung konnte um 22.30 Uhr beginnen. Als dann auch Außenreporter Steven Gätjen in Michael Buffer-Manier die Protagonisten des als "Blockbusters" hoch gelobten Matches mit "Boriiiiis Beckeeeer" und "Joooohn McEnrooooe" ankündigte, fühlte man sich als Zuschauer nun vollends beim Boxkampf. Aber nein, es trudelten der etwas aufgedunsen wirkende Becker und der wie immer schlaksig daher trabende John McEnroe als Giganten der Tennis-Vorzeit ein, um sich einen mageren Satz lang die Bälle um die Ohren zu schlagen. Die Gladiatoren zogen ein für die Rettung des Tennis in Deutschland.

Am Ende war es McEnroe zu verdanken, dass der erste Tag des Tennis-Events "Masters of Legends" auf ProSieben überhaupt noch einen spektakulären Schub bekam. Nicht nur aufgrund seiner für einen 48-Jährigen erstaunlichen Fitness und Schlaggenauigkeit, sondern auch wegen seiner Racket-Schleuderkunst und unnachahmlicher Verbalakrobatik. "You are a cheater" war noch das harmloseste, was sich Stuhlschiedsrichter Roland Herter im Match gegen Boris Becker vom US-Amerikaner anhören musste. "For what you take care?", fragte ihn McEnroe immer wieder, wenn seine Bälle angeblich im Aus landeten oder ein penetranter Zuschauer ihn öfters während seines Aufschlages mit Zwischenrufen aus der Fassung brachte. "Big Mac", wie er von den Fans liebevoll genannt wird, war voll in seinem Element. Herter hingegen verwandelte sich immer mehr in eine frische Fleischtomate.

McEnroe kreiert ein neues Wort

Verwirrung machte sich auch unter den Fans breit, als der Ami seinen Unmut mehrmals mit dem Kunstwort "Shuck" kundtat, eine eigene Kreation aus "Sh.." und "F…". Beide sind bekanntlich verboten und werden geahndet. Da macht sich McEnroe einfach einen Spaß und flucht auf dem Platz trotzdem drauflos. Wie soll man auch einen Fantasie-Begriff verbieten?

Als McEnroe-Fan hat sich das Einschalten am Mittwochabend richtig gelohnt. Für alles andere war es pure Zeitverschwendung. Die Show drum herum war zu pompös und durch die lethargische Zuschauerstimmung, die nur ein paar Mal mit einer La Ola für Begeisterung sorgte, wirkte die Veranstaltung in der Halle "Burg-Wächter Castello" wie eine Konservenproduktion à la "Stars on Ice". Die Mission von ProSieben, dem Tennis in Deutschland wieder Leben einzuhauchen, ging in die Hose. Altherren-Tennis mit Showeinlagen - mehr war es einfach nicht. Aber wer nur im Sinn hatte, sich um 20 Jahre zurückversetzen zu lassen, der war bei "Masters of Legends" richtig.

Becker war ein Fremdkörper des Events

Auf jeder anderen ATP-Senior-Tour wird sicherlich attraktiveres Tennis geboten. Der private Sender in Form seines Moderators Matthias Opdenhövel war jedoch hellauf begeistert. Allerdings sieht man die Allzweckwaffe unter den B-Moderatoren doch lieber neben einem Schwimmbecken, wenn es eher um belanglose Shows wie das Turmspringen mit Elton und Stefan Raab geht. Ebenso überschwänglich wirkte Interviewpartner Carl-Uwe Steeb, der sein Einzel gegen Jonas Gimelstob mit 1:6 vergeigt hatte: "Ich habe ein tolles Spiel auf hohem Niveau gesehen", zeigte er sich nach dem Duell Becker-McEnroe, welches der Leimener im Tie-Break verlor, euphorisch. Für über 40-Jährige sicherlich bemerkenswert, wobei Becker viel zu unauffällig und lustlos wirkte.

Wo waren der Enthusiasmus und das charismatische Lächeln? Vielmehr wirkte der Leimener schon beim Einmarsch müde und reserviert. Wobei doch der Hauptsponsor des Events darauf bedacht ist "gut auszusehen." Doch einige Pfunde zuviel und die ihm anzumerkende Trainingsfehlzeit vor dem Match haben ihn gestern Abend zu keinem perfekten Gastgeber des Sponsorslogans gemacht. Die zu geringe Präsenz Beckers, das etwas tennisfremde Publikum und die aufdringlich wirkenden Werbebanden ließen das Event zu einem weiteren kommerziell ausstaffierten ProSieben-Format machen. Es zählt nur die Quote, denn der Sinn, Tennis aus der Versenkung zu holen, wurde meilenweit verfehlt. Für richtige Tennisfans wäre eher die Ausstrahlung eines gewöhnlichen ATP-Turniers eine lobenswerte Geste gewesen. Oder sollen wir einfach nur dankbar sein für die Mühe des Senders, Legenden wie Ivanisevic, Pioline, Jelen, Leconte oder Stich aus der Mottenkiste zu zaubern? Wohl kaum!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben