Sport : Matchball Paris

Die französische Hauptstadt macht ein gutes Geschäft mit den French Open

Christian Tretbar[paris]

French Open? „Was ist das? Das habe ich noch nie gehört“, sagt die junge Dame an der Rezeption des Hotels Andrea-Rivoli. Erst als von Roland Garros die Rede ist, weiß sie Bescheid. Ihre Augen fangen an zu leuchten, und ein stolzes Lächeln zieht über ihr Gesicht. „Ja, während des Tennisturniers in Roland Garros ist bei uns viel los. Wir sind immer ausgebucht, seit Jahren schon”, schwärmt die Empfangsdame des kleinen Mittelklassehotels in einer Seitenstraße an der berühmten Rue Rivoli im Herzen von Paris.

„Schon Monate vorher beginnt die Reservierungsphase“, sagt sie weiter. So wie ihr geht es in Paris während der French Open nahezu jedem Hotelbesitzer und jedem, der Geld mit dem Tourismus verdient. Der französische Tennisverband hat eine Studie in Auftrag gegeben, um herauszufinden, wie stark sich das Grand-Slam-Turnier auf die Wirtschaft in Paris und das Pariser Umland auswirkt. „Global Insight“, ein renommiertes internationales Umfrageinstitut, legte jetzt die Ergebnisse vor. Die Daten beruhen auf dem Turnier des Jahres 2003. Der gesamte wirtschaftliche Einfluss des Turniers beläuft sich auf 195 Millionen Euro. Unter dem gesamten wirtschaftlichen Einfluss haben die Experten direkte und indirekte Einflüsse zusammengefasst. Direkter Einfluss meint die Unternehmen, die mit den Organisatoren zusammenarbeiten. Unter indirektem Einfluss versteht man Hotels, Reinigungsfirmen, Gastronomiebetriebe, kurz alle, die nicht direkt mit dem Turnierveranstalter kooperieren, aber trotzdem von der Veranstaltung profitieren. Der direkte wirtschaftliche Einfluss lag im Jahr 2003 bei 130,4 Millionen Euro. Die touristischen Ausgaben beliefen sich auf 47,7 Millionen Euro. 80 Prozent dieser Ausgaben kamen von den Zuschauern, der Rest von Medienvertretern, Veranstaltern und Spielern.

Hinzu kommen 82,7 Millionen Euro Investitionen der Veranstalter. Insgesamt besuchten im vergangenen Jahr 393 000 Zuschauer das Turnier. In diesem Jahr wird die Zahl ähnlich hoch liegen. Wer an Pfingsten noch auf Karten spekuliert hat, hat den Weg umsonst angetreten, denn das Wochenende ist ausverkauft. Damit floriert das Geschäft der eigenen Roland-Garros-Boutiquen, die überall auf dem Gelände Handtücher, Poster, Schlüsselanhänger und vieles mehr verkaufen.

Bei der Umfrage wurde auch herausgefunden, woher und mit welcher Motivation die Zuschauer nach Paris kommen. 60 Prozent reisen aus der französischen Provinz oder dem Ausland an. 96,5 Prozent der französischen Besucher und 80 Prozent der ausländischen Gäste kommen nur wegen der French Open nach Paris. Und neun von zehn Zuschauern gaben an, dass sie innerhalb der nächsten fünf Jahre wieder nach Paris fahren wollen. Ausländische Zuschauer bleiben durchschnittlich 2,8 Tage auf der Anlage und dann noch mal drei Tage in Paris. 16 Prozent aller Hotelreservierungen während der Turnierzeit stehen in direktem Zusammenhang mit dem Turnier.

Die Zahlen belegen, wie populär und gewinnbringend das Turnier noch ist. Von Tennismüdigkeit ist in Paris nichts zu spüren. Nur die Zahl der deutschen Besucher dürfte rückläufig sein, wenn man den Erfolg der deutschen Spieler als Indikator nimmt. Und wenn Besucher aus Deutschland kamen, blieben sie meist nicht lange auf der Anlage. Dafür haben sie mehr Zeit für die Sehenswürdigkeiten der Stadt und ihre Boutiquen.

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