Materialkampf : Weltmeisterschaft der Schwimm-Anzüge

High-Tech-Anzüge werden bei der WM in Rom das beherrschende Thema sein, es ist mit vielen Weltrekorden zu rechnen. Die Deutschen stehen unter großem Erfolgsdruck.

Frank Bachner

Wenigstens ist das Rotieren vom Ein-Meter-Brett eine nicht olympische Disziplin, sonst hätte das Ganze noch absonderlicher gewirkt. Heute wird im Foro Italico in Rom die erste Medaille bei der Schwimm-Weltmeisterschaft in Rom vergeben, beim Springen vom Ein-Meter-Brett. Doch offiziell eröffnet, mit viel Musik und Folklore, wird die WM erst am Samstag. Es gibt irgendwelche organisatorischen Gründe dafür, aber den Sportlern und Funktionären der deutschen Mannschaft sind die ziemlich egal. Sie müssen insgesamt elf Medaillen gewinnen, das ist wichtiger. Elf Medaillen, das ist die Vorgabe des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB). Fördergelder, Sponsoren, das alles hängt an dem Edelmetall.

Die Wasserspringer sollen drei Medaillen beisteuern, das ist auch nicht einfach, aber zumindest einfacher als die Planerfüllung für die Becken- und Freiwasserschwimmer. Die müssen jeweils vier Medaillen liefern. Im Freiwasser-Bereich tritt Thomas Lurz überaus selbstbewusst auf. „Natürlich will ich wieder gewinnen“, verkündet der 29-Jährige. Er ist sechsmaliger Weltmeister, er hat bei der WM 2007 über fünf Kilometer gewonnen, er kann sich solche Sätze leisten.

Viel stärker als die Medaillenbilanz im Mittelmeer interessiert allerdings die Ausbeute der Abteilung Beckenschwimmen. Nach den Pleiten bei der WM 2007 und den Olympischen Spielen 2008 sind die deutschen Schwimmer und ihr neuer Bundestrainer Dirk Lange stark unter Druck. Langes Athleten haben zwar bei den deutschen Meisterschaften drei Welt-, sechs Europa- und 21 deutsche Rekorde aufgestellt, doch was ist diese Bilanz wert? In der Zwischenzeit sind international weitere Rekordmarken gefallen, und 2007 sowie 2008 hatten die Deutschen auch erfolgreiche nationale Titelkämpfe. Größte Medaillenkandidatin ist Doppel-Olympiasiegerin Britta Steffen, ihretwegen hat auch die 4-x-100-Meter-Staffel eine Medaillenchance. Bei Paul Biedermann ist die Sachlage nicht so klar. Der 22-Jährige hat in Berlin zwar fast sensationell einen Europarekord über 200 Meter Freistil aufgestellt, aber ihm fehlen trotzdem noch wegen seiner Krankheit 300 Trainingskilometer.

Nur eines dürfte feststehen: Die neuen High-Tech-Anzüge werden das beherrschende Thema dieser WM sein, und wegen des Materials wird es eine Flut von Weltrekorden geben. Biedermann beobachtet die Materialschlacht eher zynisch: „Modelle mit Auftrieb haben im Schwimmen nichts zu suchen. Als Nächstes tritt einer mit Flossen an.“

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