Sport : Mathematiker am Füllstutzen

Beim Großen Preis der Formel 1 in Monaco hängt alles von der optimalen Spritmenge ab

Karin Sturm

Monaco. „Ja früher, in der guten alten Zeit…“ – wenn es einen Spruch gibt, der zu den Fahrern und Bossen von heute nicht passt, dann dieser. Weil früher vieles schlechter war in der Formel 1. Und trotzdem, an diesem Wochenende wünscht sich so mancher in der Hochgeschwindigkeits-Branche die alten Zeiten zurück. Denn am Sonntag findet der Große Preis von Monaco statt – und Monaco war schon immer etwas Besonderes. In diesem Jahr kommt eine weitere Besonderheit dazu: das modifizierte Reglement.

Seit 2003 dürfen die Piloten nach dem Qualifying nicht mehr fürs Rennen tanken. Diese Vorschrift bereitet den Teamchefs Probleme. Früher war die Strategie, um in Monaco zu gewinnen, einfach: Wichtig war erst mal, das Qualifying zu gewinnen. Die Poleposition ist auf dem Stadtkurs Monaco, wo Überholen so gut wie unmöglich ist, der wichtigste Vorteil. Verteidigte der Trainingsschnellste auch noch seinen Platz in der Startphase, war eigentlich fast alles gelaufen. Nun musste nur möglichst viel Sprit im Tank sein, damit ein Pilot möglichst spät zum Tanken musste. In Monaco ist es ziemlich egal, ob ein Auto schneller ist als die Konkurrenz, es gibt ja keine Möglichkeit, diese Schnelligkeit auf freier Strecke auszuspielen. 2002 war der McLaren-Mercedes dem Ferrari 2002 weit unterlegen – David Coulthard gewann trotzdem. Einfach, weil er die Führungsposition verteidigte.

Und heute? Heute müssen die Teamchefs genauestens rechnen. Alles hängt von der Spritmenge ab. Wer zu viel tankt, hat im Training keine Chance auf einen vordersten Startplatz, weil der Wagen zu schwer ist. Wer zu wenig tankt, ist zwar im Training schnell, muss aber im Rennen Angst haben, dass sich der Tank zu früh leert und er zu oft an die Box muss. Weltmeister Michael Schumacher ist sicher, dass nicht bloß sein Team Ferrari eine optimale Lösung findet: „Es wird sicher eine Optimum-Strategie geben, ein gewisses Fenster, in dem man operieren kann, und die guten Teams werden versuchen, in diesem Fenster zu bleiben.“

Allerdings rechnet Michael Schumacher auch damit, dass vor allem kleinere Teams volles Risiko gehen und mit wenig Sprit antreten. Damit sicherten sie sich einen Platz weit vorne im Qualifying, und zumindest in den ersten Runden hätten sie eine ausgezeichnete Position. Nur beginnt dann das Problem: Sie müssen bald zum Tanken, und wenn sie dreimal an die Box müssen, ist ein Sieg eigentlich nicht mehr möglich.

Aber gewinnen wollen diese Teams auch gar nicht. Sie kalkulieren anders: Je länger sie vorne dabei sind, umso länger tauchen sie im Fernsehen auf. Und da sie so gut wie nicht überholt werden können, werden die Logos ihrer Sponsoren in den ersten Runden fast dauerhaft gesendet.

Kimi Räikkönen, der Finne und Führende in der Weltmeisterschafts-Wertung, deutete an, dass er das Rennen am liebsten von der Spitze aus fahren würde: „Es gibt hier zwei fast gleichwertige Herausforderungen, den Kampf um die Pole-Position und den um den Sieg.“ Das lässt darauf schließen, dass der McLaren-Mercedes-Pilot auf zwei Stopps setzt. Das bedeutet aber auch, dass er ziemlich viel Sprit tankt. Zehn Liter mehr als das Optimum kosten aber im Qualifying am Samstag etwa 0,25 Sekunden. Und in Monaco kann das den Unterschied zwischen drei Startreihen ausmachen.

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