Mats Hummels und Jerome Boateng : Nationalelf: Routine statt Jugend

Ginter, Rüdiger, Süle: Bundestrainer Löw hat in der Verteidigung mehr Auswahl als bei der WM 2014, trotzdem sind Hummels und Boateng in der Nationalmannschaft gesetzt.

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Letzte Rettung. Wenn Antonio Rüdiger mal zu spät kommt, ist ja noch Mats Hummels da.
Letzte Rettung. Wenn Antonio Rüdiger mal zu spät kommt, ist ja noch Mats Hummels da.Foto: Reuters

Als Max Eberl Anfang Juli den Transfer von Matthias Ginter für die Rekordablöse von 17 Millionen Euro bekannt gegeben hat, musste sich der Manager von Borussia Mönchengladbach die Frage gefallen lassen, ob das nicht ein bisschen viel Geld sei für einen Innenverteidiger, der bei seinem bisherigen Verein Borussia Dortmund nie völlig unumstritten war. Ein paar Tage später wurde diese Frage beantwortet – wenn auch nicht von Eberl. Ein paar Tage später verpflichtete der FC Chelsea Antonio Rüdiger, der gerade mit Ginter den Confed-Cup gewonnen hatte. Für eine Ablöse von 35 Millionen Euro.

Ginter, 23, und Rüdiger, 24, standen am Freitag zusammen auf dem Platz, als die deutsche Fußball-Nationalmannschaft in Wembley 0:0 gegen England spielte. Gemeinsam mit Mats Hummels, 28, bildeten sie die Dreierabwehrkette. Rüdiger war dabei deutlich auffälliger als der zurückhaltende Ginter. Aber dass er, da doppelt so teuer, auch doppelt so gut gewesen war – das wäre eine überriebene Feststellung.

Es ist nicht neu, dass der Bundestrainer ein Faible für Rüdiger besitzt. Joachim Löw hält den gebürtigen Berliner für „physisch extrem stark, schnell, körperlich präsent“. Das traf auch auf dessen Darbietung in Wembley zu. Rüdiger schaltete sich lustvoll ins Offensivspiel ein, versuchte sich immer wieder an Steilpässen – und vernachlässigte dabei auffallend oft seine eigentliche Aufgabe, das Verteidigen. Sein Spiel wirkt immer noch ein bisschen wild.

Den Bundestrainer hat das bisher nicht besonders gestört. Vielleicht fühlt er sich bei Rüdiger an den jungen Jerome Boateng erinnert, der zu Beginn seiner Karriere auch noch nicht die verlässlich laufende Maschine war, zu der er später wurde. Boateng grätschte anfangs lustvoll durch die Gegend und leistete sich immer wieder kleine Fehler mit großer Wirkung. Wie er sich entwickelt hat, kann man jetzt sehen. Oder auch nicht.

Boateng fehlt auch am Dienstag gegen Frankreich

Boateng, 29, fehlte in London wegen muskulärer Probleme. Er wird auch am Dienstag, gegen Frankreich in Köln, nicht dabei sein. Für Joachim Löw ist es keine ganz neue Erfahrung. Seit dem EM-Halbfinale vor 16 Monaten, in dem sich der Münchner einen Muskelbündelriss zuzog, hat Boateng nur drei Länderspiele bestritten, von zwanzig möglichen. „Bei einer muskulären Geschichte bin ich vorsichtig“, erklärte der Bundestrainer. „Ein Risiko gehe ich nicht ein.“

Löw braucht Boateng. Nicht zwingend in einem Testspiel sieben Monate vor der WM, aber ganz sicher bei der Weltmeisterschaft. Die Auswahl an Innenverteidigern ist zwar deutlich größer als vor der WM 2014, als Löw einen gewissen Shkodran Mustafi nachnominieren musste, den in Deutschland damals so gut wie niemand kannte. Über alle Zweifel erhaben aber sind weiterhin nur Jerome Boateng und Mats Hummels, die schon beim erfolgreichen WM-Finale vor dreieinhalb Jahren die Innenverteidigung bildeten.

Antonio Rüdiger pendelt bei Chelsea zwischen Startelf und Ersatzbank, genau wie Niklas Süle bei den Bayern. Shkodran Mustafi und Benedikt Höwedes sind verletzt, und Matthias Ginter, obwohl Stammspieler bei Borussia Mönchengladbach, ist vielen ein bisschen zu blass. Lobende Worte fand der Bundestrainer nach dem 0:0 gegen England nur für Mats Hummels, den Routinier in der Abwehr, obwohl der kurz nach der Pause mit einem Stellungsfehler Jamie Vardy die große Chance zur Führung eröffnet hatte. „Mats Hummels war sicher in der Defensive der Stabilisator“, sagte Joachim Löw. „Er hat viele Bälle bereinigt.“

Es sieht so aus, als würde das auch erst einmal so bleiben.

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