Sport : Mattes Gold

Der deutsche Sieg im Teamwettbewerb bei der Ski-WM schönt eine schwache Bilanz

Benedikt Voigt

Berlin - Manchmal muss man das Glück eben zwingen, mag sich die Skirennläuferin Hilde Gerg gedacht haben, und nahm ihr kleines, rosa Schweinchen vom Nachttisch. Im Zielraum bei der alpinen Ski-WM in Bormio steckte sie es sich nach ihrem letzten Lauf in den Ski-Overall. „Ich kann das alleine im Ziel nicht aushalten“, sagte die 29-Jährige und zitterte. Erst als Monika Bergmann-Schmuderer durch das Ziel fuhr, löste sich ihre Anspannung, und das kleine, rosa Schweinchen hatte seinen Dienst getan.

Am Schlusstag der Ski-WM in Bormio gewann die deutsche Mannschaft Gold im Teamwettbewerb. „Das ist der totale Wahnsinn“, sagte Hilde Gerg. Die zwei deutschen Skirennläuferinnen hatten gemeinsam mit Martina Ertl, Felix Neureuther, Andreas Ertl und Florian Eckert überraschend Österreich und Frankreich auf die Plätze zwei und drei verwiesen. Damit wendete die deutsche Alpin- Mannschaft im letzten Moment eine Blamage bei der Ski-WM ab. In den Einzelwettbewerben hatte sie keine Medaille geholt.

Die Läufer jubelten überschwänglich, trotzdem stellt sich die Frage nach dem sportlichen Wert dieser Goldmedaille. Der deutsche Alpinchef Walter Vogel erklärte: „Wir haben den Teamwettbewerb immer ernst genommen.“ Doch er weiß auch, dass der Teamwettbewerb umstritten ist. Bei den Olympischen Spielen in Turin wird es keine Mannschaftsmedaille geben. Der Weltverband Fis hat die Neuerung als Reaktion auf die nordischen Teamwettbewerbe eingeführt, die ein großer Erfolg bei den Zuschauern sind. Im alpinen Skisport aber ist der Mannschaftsgedanke gewöhnungs- und der Modus erklärungsbedürftig.

Auch Walter Vogel weiß, dass die Medaille im Teamwettbewerb von minderer Qualität ist. „Wir lassen uns nicht blenden“, sagte der Alpinchef, „wir werden die Einzelergebnisse trotzdem analysieren.“ Bereits vor dem Abschlusstag hatte er bestätigt, dass die beiden Cheftrainer, Werner Margreiter bei den Herren und Wolfgang Maier bei den Damen, bis 2006 im Amt bleiben. „Wir lassen uns von diesem Ereignis nicht beeinflussen, weil wir wissen, dass wir auf dem richtigen Weg sind“, sagte Margreiter vor dem Teamwettbewerb. Er hatte Pech, dass sich Slalomspezialist Alois Vogl verletzt hatte. Den sechsten Platz von Andreas Ertl im Super-G wertete er als Erfolg.

Nun beendet die Goldmedaille zwar eine lange medaillenlose Zeit für den Deutschen Skiverband bei Großereignissen. Letztmals hatte Martina Ertl bei den Olympischen Spielen 2002 Bronze in der Kombination gewonnen. Vor allem bei den Damen fällt auf, dass das Team die guten Ergebnisse im Weltcup nicht bei Großereignissen bestätigen kann.

Nun also sind die deutschen Rennläufer Weltmeister im Teamwettbewerb. Was das heißt? Walter Vogel sagt: „Wir sind jedenfalls nicht die Ski-Nation Nummer eins.“

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