Sport : Maulen und schubsen

Vor dem Derby gegen Nürnberg ist beim FC Bayern München der Kampf um die Stammplätze entbrannt

Carsten Eberts[München]
Verdrängungskampf. Mark van Bommel (r.) gibt seinem Konkurrenten Anatoli Timoschtschuk sein Comeback bekannt. Foto: Imago
Verdrängungskampf. Mark van Bommel (r.) gibt seinem Konkurrenten Anatoli Timoschtschuk sein Comeback bekannt. Foto: ImagoFoto: imago sportfotodienst

Bastian Schweinsteiger hat sich endlich zu Wort gemeldet. Nicht so, wie es sich die Verantwortlichen beim FC Bayern unbedingt gewünscht hatten, aber immerhin. „Es kommen noch drei bis vier Vereine als potenzielle Arbeitgeber ab 2012 infrage“, sagte der Nationalspieler, dessen Vertrag in München bekanntlich in eineinhalb Jahren ausläuft. Dass Real Madrid zu diesen Klubs zählt, ist gewiss. Ebenso der FC Bayern. Doch die Vertragsverlängerung Schweinsteigers ist eben keineswegs Formsache, auszuschließen ist sie allerdings ebenso wenig. Die Causa ist dennoch ein kleines Störfeuer in einer Woche, die dem FC Bayern München vor dem heutigen Derby gegen den 1. FC Nürnberg positive Entwicklungen bescherte. Mit Franck Ribéry, Mark van Bommel, Diego Contento und Breno meldeten sich vier potenzielle Stammspieler gesund im Training zurück – gerade Ribéry und van Bommel waren ja schmerzlich vermisst worden.

Trainer Louis van Gaal stellt dies vor längst vergessene Aufgaben. Der Niederländer hat plötzlich wieder Alternativen, die Mannschaft stellt sich nicht mehr von allein auf. Hinzu kommt, dass Bundestrainer Joachim Löw in Absprache mit van Gaal diesmal darauf verzichtet hat, die durch englische Wochen strapazierten Philipp Lahm und Thomas Müller für das Länderspiel am Mittwoch gegen Schweden zu nominieren. „Ich denke, dass beide froh sind“, mutmaßte van Gaal. Der Niederländer selbst ist es auf jeden Fall.

Doch die Rückkehrer werden nicht nur mit offenen Armen empfangen. In ihrer Abwesenheit haben andere gespielt, die ihren Job sehr ordentlich gemacht haben. Etwa Hamit Altintop, der im rechten Mittelfeld bissig und agil auftrat, während Toni Kroos nach links auf die Ribéry-Position rückte. Oder Danijel Pranjic, der Contento in der Abwehr mindestens ersetzte. Zudem Anatolij Timoschtschuk und Andreas Ottl, die im defensiven Mittelfeld an der Stabilisierung des Bayern-Spiels in den vergangenen Wochen großen Anteil hatten.

Fürs Erste scheint der Positionskampf jedoch auf natürliche Weise vertagt: Van Gaal bezeichnete van Bommel und Ribéry als „medizinisch fit“, jedoch noch „nicht spielfit“. Auch der müde Müller wird seinen Platz zunächst auf der Bank finden. Seit der neuerlichen Verletzung von Miroslav Klose, der seinen Muskelfaserriss wohl nicht auskuriert hatte, ist der General vorsichtig geworden.

Doch der Kampf um die Positionen wird kommen. Spätestens in einer Woche in Leverkusen, wenn van Bommel spielfit ist und Timoschtschuk seinen guten Leistungen womöglich noch eine weitere gegen Nürnberg hinzugefügt hat. Im Training am Donnerstag zeigten beide schon mal, dass sie sich durchaus als Konkurrenten verstehen: Nach einem Tackling von Timoschtschuk setzte van Bommel nach, schubste den Kollegen unwirsch, maulte ihn an, was ohne viel Fantasie als Warnruf eines Platzhirschs an einen aus seiner Sicht niederen Angestellten verstanden werden musste.

Timoschtschuk jedoch wird dem Geheiß seines Kapitäns nicht freiwillig folgen. „Ich kämpfe gerne, im Spiel und auch um meinen Platz“, sagte er vielsagend – und auch van Gaal dürfte nicht entgangen sein, dass Timoschtschuk auf der Position vor der Abwehr der bessere Fußballer, zudem zwei Jahre jünger als van Bommel ist. Gegen Gladbach zeigte der blasse Ukrainer sogar, was van Gaal so lange bei ihm vermisste: In van-Bommel-Manier dirigierte er lautstark seine Kollegen. Sollte Timoschtschuk dennoch wieder auf der Bank landen, will er den Verein verlassen.

Van Gaal indes war vom neuen Feuer im Training angetan: „So aggressiv, sehr schön, das anzuschauen.“ Die Bayern sind also in Stimmung vor dem Derby gegen den alten Rivalen aus Nürnberg.

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