Sport : Maurice Greene, das rasante Großmaul, ist für eine Fabelzeit über 100 Meter gut

Frank Bachner

Eigentlich geht einem so ein Typ fürchterlich auf die Nerven. Plappert, bis einem das Ohr abfällt, redet schrecklich patriotisches Blech, geht mit seinem Draht zum Herrgott hausieren und klopft Sprüche wie ein echtes Großmaul. "Ich werde den Sprint zu neuen Höhen führen." Solche Sachen. "Ich werde den Weltrekord brechen", posaunte Maurice Greene auch in jedes Mikrofon, und spätestens jetzt wird die Sache mit ihm nicht mehr so einfach. Denn zum einen ist der Typ eigentlich trotzdem ganz nett, weil ihm die Arroganz eines Carl Lewis fehlt, und vor allem hat er den Weltrekord gebrochen. 9,79 Sekunden lief Maurice Greene aus Kansas City, USA, im Juni in Athen, und damit hatte er Donovan Baileys Rekordmarke gleich um fünf Hunderstelsekunden verbessert. Es war nicht mal ein technisch perfekter Lauf. Er hatte zum Beispiel seine Arme nicht optimal 90 Grad angewinkelt. Bei einem perfekten Lauf wäre er wohl schon nach 9,75 Sekunden ins Ziel gekommen. Fraglich ist allerdings, wie er seine hohe Beschleunigung erreicht und sein hohes Tempo durchhält. Dazu gehören Kraft und eine starke konditionelle Basis, und die liefert ihm sein Trainer John Smith. Der wird von einigen Sprintern als Guru verehrt, von vielen Beobachtern aber als Doping-Trainer verdächtigt.

Auf jeden Fall kann er Athleten motivieren. Maurice Greene hat er stark geredet, nachdem der im September 1996 zu Smith gekommen war. Greene war einer der vielen 10,00-Läufer der USA, war hungrig und gut, und Smith machte ihn noch schneller. Von den weltweit zehn besten 100-m-Zeiten der Saison 1997 stammen fünf von Greene, und in Athen wurde er Weltmeister. Er ist auch in Sevilla Top-Favorit. Maurice Greene ist zu überlegen zur Zeit. Wahrscheinlich wird er gewinnen. Wahrscheinlich wird er dann wieder großartige Sprüche daherplappern. Irgendwann muss man sich dann halt die Ohren zuhalten.

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