Sport : Max Mosley über die Zukunft der Königsklasse des Autorennsports in Europa

Herr Mosley[Sie haben im Vermarktungs-Konflikt mi]

Max Mosley (59) ist Prasident des Automobil-Weltverbandes FIA. Wenn das neue EU-Recht greift, rechnet er mit dem Ende der Grand Prix in den EU-Ländern.

Herr Mosley, Sie haben im Vermarktungs-Konflikt mit der Europäischen Union die Rolling Stones als Beispiel für die Formel 1 gewählt. Was würde passieren, wenn die Stones nur noch außerhalb der EU auftreten würden, wenn die Formel 1 ihre Rennen fast ausschließlich in Übersee austragen würde?

Nicht viel. Die würden weiter Platten verkaufen. Genauso ist das auch mit der Formel 1. Die meisten Zuschauer, die Formel 1 anschauen, tun dies im Fernsehen. Ob das Rennen in Marokko oder Spanien stattfindet, ist den Fernsehzuschauern egal. Und wenn man überhaupt keine Rennen in der EU mehr haben würde, hat man in Europa immer noch zwei - in Monaco und Ungarn.

Also meint die Fia ihre Drohung tatsächlich ernst und will notfalls die Rennen in EU-Ländern streichen?

Das ist keine Drohung! Wenn jemand sagt, wenn ihr in Europa fahren wollt, dann zerstöre ich eure Sache, hat man keine Wahl. Aber wenn man die Wahl hat zwischen einer zerstörten Formel 1 oder Rennen außerhalb der EU, gehen wir.

Wenn es hart auf hart kommt: Wieviel Rennen sollen dann in Europa stattfinden? Derzeit sind es elf und sechs in Übersee.

Wenn es hart auf hart kommt: zwei oder drei in der EU. Monaco und Ungarn sind außen vor als nicht EU-Länder. Wegen des größeren Zeitaufwandes für die Reisen nach Übersee würden wir die WM auf 14 Rennen pro Saison reduzieren. Das heißt, wir verlieren drei Rennen.

Der Nürburgring bangt, Hockenheim bangt. Wen wird es treffen?

Bernie Ecclestone holt Angebote ein, die werden dann verglichen. Und die drei besten Rennen machen wir in der EU. Die anderen Länder, die keinen Grand Prix mehr haben, können trotzdem noch Rennen durchführen. Die würden jedoch außerhalb der Wertung stattfinden, wären so genannte Non-Championship-Races.

Das klingt alles sehr durchdacht. Haben Sie diese Pläne schon in der Schublade?

Noch hat die EU das Recht nicht so durchgesetzt. Bis das geschieht, müssen wir unsere Verträge in Europa einhalten. Ich habe Ecclestone schon gesagt: bitte keine Verträge mehr erneuern. Wenn eine Entscheidung am Berufungsgericht gefallen ist und das EU-Recht greift, dann sind unsere Verträge automatisch zu Ende.

Ist das bestehende Vertragswerk ab sofort ungültig, wenn das EU-Recht greift?

Richtig.

Und wo soll die Formel 1 künftig auftreten?

Wir haben fünf Länder, die unbedingt ein Rennen haben wollen. Einige davon müssen eine Strecke bauen. China ist sehr nahe dran. Argentinien will auch. Wir haben Angebote von Ägypten, dem Libanon und zwei anderen Ländern im Mittleren Osten. Das Interview führte Jörg Kottmeier

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