MBC-Trainer Harmsen : "Man weiß, wie Alba spielt"

MBC-Trainer Björn Harmsen spricht mit dem Tagesspiegel über die Ausrechenbarkeit der Berliner, Basketball im Osten und seine Frisur.

Björn Harmsen, 28, stammt aus Göttingen und ist der jüngste Trainer der Basketball-Liga. Mit dem Mitteldeutschen BC trifft er jetzt gleich zweimal auf Alba Berlin. Foto: picture alliance
Björn Harmsen, 28, stammt aus Göttingen und ist der jüngste Trainer der Basketball-Liga. Mit dem Mitteldeutschen BC trifft er...Foto: picture-alliance / Pressefoto UL

Herr Harmsen, Sie treffen als Trainer des Mitteldeutschen BC gleich zwei Mal auf Alba: am heutigen Mittwoch und am Samstag in Weißenfels. Was erwarten Sie von dem Doppelduell?

Für uns als kleinen Verein ist es schwierig, gleich zwei Mal auf eine starke Mannschaft wie Berlin zu treffen. Bei einem Spiel wäre der Überraschungseffekt größer. Berlin hat zuerst das Heimspiel, da ist es leichter, sich dann auswärts auf uns einzustellen.

Albas Trainer Luka Pavicevic wird oft ein fehlendes Überraschungsmoment vorgeworfen. Wie leicht kann man sich auf Berlins Spielweise einstellen?

Man kennt die Spielzüge und weiß, was Berlin machen will. Dennoch sind ihre Systeme in der Ausführung sehr gut und schwer zu stoppen. Pavicevic tüftelt alles bis ins kleinste Detail aus. Das ist taktisch mit das Beste, was es in Europa gibt.

In Deutschland gelingt es immer mehr Teams, sich darauf einzustellen. Berlin hat schon fünf Mal verloren.

Bis auf Bamberg, das dominiert, straucheln diese Saison viele Favoriten auswärts. Kleine Teams sind mittlerweile in der Lage, die großen Klubs über Athletik zu schlagen. Das war früher schwerer, als nur zwei Ausländer erlaubt waren und Leverkusen und Berlin die besten deutschen Spieler hatten. Mittlerweile können sich auch kleine Teams günstige, gute und athletische Ausländer leisten.

Sie sind mit 28 Jahren der jüngste Trainer der Liga. Ist es schwer, sich gegenüber älteren Spielern durchzusetzen?

Ich selbst mache mir keine Gedanken über mein Alter. Ich fühle mich älter, weil die Arbeit viel Kraft kostet. Es kommt darauf an, den Spielern zu zeigen, dass man ihnen etwas vermitteln kann, strebsam ist und täglich alles tut, um das Team vorzubereiten.

In der Liga sind mittlerweile neun von 18 Trainern Deutsche, sie arbeiten aber meist bei Teams im Mittelfeld und Abstiegskandidaten. Warum nicht bei großen Vereinen?

Bei großen Teams wie Berlin, Bamberg oder Oldenburg gibt es vom Anspruchsdenken nur einen deutschen Trainer, der infrage käme: Dirk Bauermann. Das Ziel muss es sein, mehr Coaches für dieses Niveau zu entwickeln. Aber in Deutschland will keiner in junge Trainer investieren. Ich musste mir alles selbst erarbeiten, um in die Erste Liga zu kommen.

Sie trainieren den einzigen Erstligisten aus den neuen Bundesländern. Wie sieht es mit der Basketballkultur im Osten aus?

Die Geschichte und Tradition fehlen ein wenig, weil Basketball in der DDR keine geförderte Sportart war. Basketball könnte sich hier besser entwickeln. Bei den Frauen etwa haben einige engagierte Leute verstanden, die Sportschulen für sich zu nutzen. Ich war selbst auf einer Sportschule in Jena, es gibt keine besseren Trainingsbedingungen. Aber vom Verband fehlt die Initiative, Jugendsportler an die Schulen zu bringen und sie durch Leistungstrainer zu fördern. Das Zweite, was fehlt, ist das Geld.

Weißenfels ist die zweitkleinste BBL-Stadt nach Quakenbrück. Wie ist es für die vielen US-Spieler in der Provinz?

Hier geht es sehr familiär zu, man wird beim Einkaufen gegrüßt. Gerade Amerikaner mit Familie wissen das zu schätzen. Wer hier jeden Abend Party machen will, hat es schwer. Aber so eine Mentalität passt auch nicht zum Sport.

Über Mentalität im Basketball haben Sie auch ein Buch geschrieben – wie der US-Erfolgstrainer Pat Riley, Ihr Vorbild.

Er ist nicht mein Vorbild, das wird mir immer unterstellt, wegen meiner Haare. Ich habe mir von vielen Trainern etwas abgeschaut, um meinen eigenen Stil zu finden. Was mich an Pat Riley fasziniert hat, ist, wie jemand mit Strebsamkeit, Siegeswille und Akribie so viel Zeit in Basketball investiert.

Wer war dann das Vorbild für die gegelten Haare?

Ich habe mir vor langer Zeit einmal den Film Wall Street angeschaut, da habe ich Michael Douglas als Gordon Gekko gesehen und gedacht: Geile Frisur, die möchte ich irgendwann auch einmal haben. Als Trainer hat man aber auch eine Verantwortung, den Spielern ordentlich gegenüberzutreten.

Sie waren mit 25 schon Erstligatrainer und trainieren den MBC das zweite Jahr in der BBL. Wollen Sie irgendwann einmal zu einem Spitzenklub?

Im Sport wie in der Wirtschaft gibt es oft Vorbehalte gegenüber jungen Führungskräften, aber wenn man kontinuierlich arbeitet, dann kommt man irgendwann einmal einen Schritt weiter.

Das Gespräch führte Dominik Bardow.

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