Sport : McLaren-Mercedes testet in Jerez neuen Silberpfeil

Hartmut Moheit

Die Peinlichkeit war nicht vergessen. Nur, alle konnten längst darüber lachen. "Ich denke schon, dass wir diesmal mehr als nur eine knappe Runde schaffen sollten", sagte McLaren-Teamchef Ron Dennis vorbeugend, bevor er mit hämischen Fragen an Barcelona vor genau einem Jahr erinnert wurde. Als dort der neue Silberpfeil von McLaren-Mercedes erstmals vorgestellt wurde, der dann sehr schnell seinen Geist aufgab, glaubten nicht wenige an ein schlechtes Omen für die Saison. "Ha, ha - der Weltmeister hängt am Abschlepphaken", hieß es damals sofort. Doch am 31. Oktober jubelte in Suzuka das britisch-deutsche Team über den zweiten WM-Titel seines Finnen Mika Häkkinen. Nur der verpasste erste Rang in der Konstrukteurswertung verhinderte den totalen Mercedes-Triumph.

Was soll unter diesem Vorzeichen erst in diesem Jahr herauskommen, nachdem die offizielle Vorstellung in Andalusien ohne Probleme über den Grand-Prix-Kurs von Jerez ablief? "Ich bin bereit für den WM-Titel", sagte ein lockerer Champion, der mit einem erneuten Erfolg als Erster nach Juan-Manuel Fangio aus Argentinien (1954 bis 1957) dreimal hintereinander die Krone des Motorsports holen würde. "Die 14 Siege in 128 Rennen sind vorbei", sagte der 32-Jährige, "jetzt habe ich eben ein neues, ganz großes Ziel." Häkkinen war diesmal derjenige (im Vorjahr sein Teamkollege David Coulthard aus Schottland), der den erst in der Nacht zuvor fertig gestellten Rennwagen mit dem V10-Motor und den Bridgestone-Reifen, über die Piste jagen durfte. Alle warteten nur auf seinen Einsatz, der sich jedoch immer wieder verzögerte. Um 13.14 Uhr war es dann endlich soweit. Als er schließlich wieder in die Boxengasse fuhr und sein Daumen nach oben zeigte, schwanden bei allen Beteiligten in der Box des Silberteams letzte Befürchtungen vor einer erneuten Blamage. Die Runden zuvor von Coulthard (altes Auto bestückt mit einem neuen Motor) war demgegenüber ein reiner Routinevorgang.

"Wir wären unglaubwürdig, würden wir in dieser Saison die Favoritenrolle nicht annehmen", zeigte sich Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug vor knapp 500 Medienvertretern für seine Verhältnisse überaus optimistisch, obwohl Tiefstapeln eigentlich ja zum Formel-1-Geschäft gehört. Aber angesichts des neuen MP4-15, bei dem als verändert die "Nase", Cockpit und Seitenteil sowie das Heck auffallen, konnte das Urteil nicht anders ausfallen. Nur, über den Mercedes-Motor war wie immer nichts zu erfahren. "Jedes Team versucht das Aggregat kompakter, leistungsfähiger und verbrauchsärmer zu gestalten - wir auch", betonte Haug, der mit seinem Team bis zum Saisonauftakt am 12. März in Melbourne noch ein extrem hartes Testprogramm absolvieren wird. "Bereits im Vorfeld von Jerez haben wir so intensiv wie noch nie gearbeitet."

Und daran wird sich nichts ändern, auch mit Blick in die Zukunft. Nicht umsonst hat McLaren-Mercedes mit dem Franzosen Olivier Panis einen Formel-1-Routinier verpflichtet. "Er hat extra auf einen Einsatz in der Deutschen Tourenwagen Meisterschaft verzichtet, um uns immer zur Verfügung zu stehen. Hut ab vor ihm, denn das heißt ja auch Verzicht auf viel Geld", lobte Haug das Engagement des Siegers von Monaco 1996, der zuletzt für Prost fuhr und auf 91 Rennen verweisen kann. Wer bei dieser Konzentration auf die bevorstehenden 17 Rennen annehmen könnte, dass danach speziell aus Stuttgart wieder leisere Töne kommen könnten, für den gab es in Jerez ebenfalls eine überzeugende Antwort. DaimlerChrysler nahm sein Optionsrecht für den Anteilskauf in Höhe von 40 Prozent an der TAG McLaren Group aus der High-Tech-Branche ohne Angabe des Kaufpreises bekannt.

Danach war klar, dass Mercedes-Benz und McLaren (30 Prozent der Anteile besitzt Ron Dennis) ihre Zusammenarbeit in der Formel 1 als langfristig ansehen. Vorausgegangen war die Entscheidung beider Seiten, den Supersportwagen Mercedes SLR ab 2003 gemeinsam auf den Markt zu bringen. "Wir müssen uns darauf einstellen, dass in Zukunft in der Formel 1 auch Einnahmen zu erwirtschaften sein werden", begründete Norbert Haug, während DaimlerChrysler-Vorstandsmitglied Jürgen Hubbert von einer "langfristigen Stärkung im härter werden Wettbewerb" sprach.

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