Sport : Medaillen für 2010

Während sich der Deutsche Skiverband auf Olympia in Turin vorbereitet, denkt sein Sportdirektor weiter

Benedikt Voigt

Berlin - Für Thomas Pfüller endet der Winter im Mai. Während sich im Frühling viele Angestellte und Athleten des Deutschen Skiverbandes (DSV) von den Strapazen des Winters erholen, zeigt der abtauende Schnee dem Sportdirektor lediglich an, dass nun die vielleicht wichtigste Zeit des Jahres beginnt.

Thomas Pfüller startet mit der Bundestrainer-Sitzung vom 4. bis 6. April die Vorbereitung für die neue Saison. Und diese soll eine ganz besondere werden für den Wintersport, schließlich warten als Saisonhöhepunkt die Olympischen Spielen in Turin vom 10. bis 26. Februar 2006. Bereits in Salt Lake City 2002 hatte sich das deutsche Team Platz zwei in der Nationenwertung erarbeitet. „Es gibt eher noch Potenzial nach oben“, sagt Klaus Steinbach, Präsident des Nationalen Olympischen Komitees, „wir wollen wieder ganz vorne mitmischen, den Anspruch müssen wir einfach haben“. Der Deutsche Skiverband will einen großen Teil dazu beitragen, dass die Spiele ein Erfolg für deutsche Athleten werden. Pfüller sagt: „Wir wollen 15 Medaillen holen, darunter fünfmal Gold.“

Die gerade ablaufende Saison 2004/2005 zeigt, dass das Ziel nicht zu hoch gegriffen ist. Rechnet man die Weltmeisterschaften der Nordischen, der Alpinen und Biathleten zusammen, sammelte der DSV insgesamt 17 Medaillen. „Es ist positiv, dass wir Medaillen in allen Bereichen erreicht haben“, sagt Pfüller. Allerdings zählt dazu auch die Goldmedaille im erstmals durchgeführten Teamwettbewerb der Alpinen, der nicht olympisch ist. Die Kombinierer um Doppelweltmeister Ronny Ackermann oder die Biathleten, die nur in zwei von zehn Wettbewerben ohne Medaillen blieben, waren die positivsten Überraschungen des Winters. Der Biathlet Sven Fischer steht nach dem gestrigen Weltcupsieg sogar vor dem Gewinn des Gesamtweltcups.

Für die Skispringer endete die erste Saison ohne Sven Hannawald glimpflich, obwohl sie unglücklich begonnen hat. Mit einem Bundestrainerwechsel. Mit Silber bei der WM im Teamwettbewerb befinden sich die Athleten von Bundestrainer Peter Rohwein im Soll. „Aber man darf nicht alles nur von Ergebnissen abhängig machen“, sagt Pfüller. „Es hat sich einiges im Team getan, die Stimmung ist besser und die Kraftwerte haben sich positiv verändert.“ Demnächst steht ein Gespräch mit Hannawald über dessen Rückkehr an. „Er war ein Jahr lang weg von der Mannschaft“, sagt Pfüller, „wir wären nicht gut beraten, wenn wir unser Olympiakonzept auf Sven Hannawald aufbauen würden“. Ganz ausschließen will er eine Rückkehr des am Erschöpfungssyndrom erkrankten Skispringers aber nicht. „Hannawald wäre eine Bereicherung, die wir annehmen würden.“

Dem Verband sind in der vergangenen Saison einige Stars ausgefallen, sei es durch Krankheit oder schwache Leistung bei den Weltmeisterschaften. Die Langläufer Evi Sachenbacher und René Sommerfeldt mussten von der Weltmeisterschaft in Oberstdorf, die ansonsten ein großer Erfolg war, heimgeschickt werden. Die beiden besten Läufer, Claudia Küntzel und Axel Teichmann, wurden just vor der WM krank, die alpine Skirennläuferin Maria Riesch verletzte sich vor der WM. „Das sind einfach Dinge, die man hinnehmen muss“, sagt Pfüller.

Der Sportdirektor denkt bereits über 2006 hinaus. „Der Kampf um die Spitzenplätze wird immer härter.“ Bei der Biathlon-WM tauchte mit China ein neuer Medaillenanwärter auf. „Wir müssen dafür gewappnet sein“, sagt der Leistungssportchef. Dabei sieht es auch für 2010 nicht schlecht aus. Maria Riesch, Felix Neureuther (Alpin), Franz Göring (Langlauf), Björn Kircheisen, Timo Edelmann (beide Kombination) kann er sich dann als Medaillenkandidaten vorstellen.

Grund genug, sich entspannt zurückzulehnen, doch das ist nicht Pfüllers Art. Er versucht, bereits jetzt künftige Juniorenweltmeister zu entdecken, die später in die Weltspitze vordringen können. Über seine ehrgeizige Art sagt Pfüller: „Wo Zufriedenheit ist, beginnt das Mittelmaß.“ Und das kommt bei ihm überhaupt nicht gut an.

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