Medaillenjagd : USA sehen sich als Underdog

Die Sport-Weltmacht USA schiebt vor den Olympischen Spielen Gastgeber China die Favoritenrolle im Kampf um Platz 1 im Medaillenspiegel zu. Kampflos geschlagen geben wollen sich die Amerikaner allerdings nicht.

Peking„Wir sind es nicht gewohnt, der Underdog bei Olympischen Spielen zu sein, doch diesmal werden wir es sein“, sagte Peter Ueberroth, Präsident des Nationalen Olympischen Komitees der USA (USOC), vor der Eröffnung der 29. Sommerspiele an diesem Freitag in Peking. „Es wird uns aber nicht stoppen, wieder zu versuchen, die Nummer eins zu werden.“

Seit China 1984 in Los Angeles erstmals bei Olympia antrat, dominierte die USA viermal, nur 1988 und 1992 war die frühere UdSSR Medaillen-Spitzenreiter. In Sydney 2000 kamen die Athleten aus dem „Reich der Mitte“ mit Platz zwei in der Medaillenwertung und 32 Gold-Plaketten (USA: 36) schon gefährlich nahe. „Ich weiß um die Ressourcen der Chinesen und erwarte, dass sie die dominante Nation bei den Olympischen Spielen für viele Jahre werden“, prophezeite Ueberroth, der 1984 als Olympia-Organisationschef fungierte.

Ausgerechnet die renommierte US-Fachzeitschrift „Sports Illustrated“ sieht bei ihrer Hochrechnung China mit 49 Goldmedaillen schon in Peking vor den USA (45) und Russland (25), nach der Zahl der Podestplätze bleiben die Amerikaner aber mit 121 Plaketten vor dem Gastgeber (102). Dagegen liegt bei einer am Freitag veröffentlichten Prognose des Olympia-Magazins „Around the Rings“, die auf den Ergebnissen der letzten Weltmeisterschaften basiert, die USA (49) vor China (38) und Russland (32).

Immerhin arbeiten rund 400 000 Athleten in China in mehr als 3.000 Sportschulen mit eisernem Drill daraufhin, das Riesenreich zur führenden Sportnation auf dem Erdball zu machen. 112 Goldmedaillen, von denen die erste in Los Angeles Pistolenschütze Xu Heifeng holte, liegen bereits auf dem vor 24 Jahren eröffneten Olympia-Konto. Etwa 60 ausländische Trainer wurden vor den Peking-Spielen engagiert, um mit ihrem Fachwissen den Athleten zusätzlich Beine zu machen.

In Peking schickt der Gastgeber das Rekordaufgebot von 639 Athleten in allen 28 Sportarten an den Start. Ihnen wollen 596 US-und auch die 467 russischen Sportler Paroli bieten. Jacques Rogge, Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), erwartet, dass bei der Jagd nach Medaillen „das Erwachen Asiens“ weitergehen werde. „Die Chinesen sind viel stärker als 2004 in Athen“, meinte Steve Roush, stellvertretender Chef de Mission der USA.

Chinas politische Führung erwartet zwar, dass die Milliarden-Investitionen in den Hochleistungssport und der Heimvorteil sich auszahlen werden, haben offiziell die Erwartungen aber gedämpft. Zumal das ehrgeizige „Projekt 119“, mit dem besonders Erfolge in der Leichtathletik, im Schwimmen und Wassersport forciert werden sollten, nicht funktionierte. Zehn Goldmedaillen lautete einst die Vorgabe in diesen Sportarten, in denen 119 der 302 Plaketten vergeben werden.

Eine Illusion, wie sich zum Beispiel in der Leichtathletik zeigte. Abgesehen von Hürdensprinter Liu Xiang, der 2004 Olympiasieger und 2007 Weltmeister wurde, gibt es keine weiteren klaren Favoriten. Allein die WM-Dritte im Hammerwerfen, Zhang Wenxiu, und die WM-Dritte im Marathon, Zhou Chunxie, gelten noch als Anwärter auf eine Medaille. „Die Chinesen mussten feststellen, dass man auch mit forciert hartem Training in einer so komplexen Sportart wie der Leichtathletik nicht binnen sechs Jahren in die Weltspitze kommen kann“, sagte Helmut Digel, Council-Mitglied im Weltverband IAAF. (dpa)

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