Sport : Medaillenlos glücklich

Deutschlands Volleyballer sind mit dem EM-Verlauf zufrieden

Karsten Doneck

Berlin. Genau drei Spiele und knapp zwei Sätze lang bestand Hoffnung. Da schickten sich Deutschlands Volleyballer an, bei der Europameisterschaft im eigenen Land mit ihrem unbeschwert-kraftvollen Spiel in den Kampf um die Medaillen einzugreifen. Doch nachdem gegen Frankreich in Leipzig trotz einer 23:21-Führung sowohl der zweite Satz als später auch das Spiel verloren worden war, kam der Bruch. Deutschland unterlag danach auch noch Italien und gehört damit nicht mehr zum Kreis der vier Mannschaften, die an diesem Wochenende in Berlin den Europameister ausspielen. Die Mannschaft von Bundestrainer Stelian Moculescu tritt stattdessen heute (15 Uhr, Schmeling-Halle) gegen Polen zum Kampf um die Plätze fünf bis acht an. Für Moculescu ist das alles kein Drama. „Wenn wir weitergekommen wären, wäre das wohl doch ein bisschen zu viel des Guten gewesen. Das würde nicht unseren derzeitigen Leistungsstand widerspiegeln“, sagt der Bundestrainer.

Deutschland hat bei dieser EM, unabhängig vom weiteren Abschneiden in den beiden Platzierungsspielen, die Vorgaben erfüllt. Und sogar ein bisschen mehr. Vor der EM wurde „gezittert und gebibbert“ (Moculescu), dass die Deutschen vielleicht schon in den Gruppenspielen auf der Strecke bleiben würden. Dann kamen die Auftakterfolge gegen die Slowakei, Tschechien und Spanien, die Begeisterung wandelte sich mitunter schon in Euphorie. Obwohl den Deutschen danach von Frankreich und Italien klar die Grenzen gesteckt wurden, hatte der positive Gesamteindruck von einem starken deutschen Team Bestand. „Am meisten zählt, dass wir uns als Mannschaft gut verkauft haben“, sagte Christian Pampel, einer der Leistungsträger im deutschen Team.

Das Augenmerk richtet sich nun schon auf die Olympia-Qualifikation Anfang nächsten Jahres in Leipzig. Moculescu spricht angesichts der Klasse der zu erwartenden Gegner von einer „EM light, selbst die Finnen sind ja nicht die Färöer“, sagt er. Allerdings ist noch nicht geklärt, ob Moculescu überhaupt weitermacht. Nach dem EM-Turnier soll über die Fortsetzung des Beschäftigungsverhältnisses gesprochen werden. Nur eine Formsache? „Wir haben eine Supertruppe zusammen, die ich gerne weiter führen würde“, sagt Moculescu. Auch Werner von Moltke, der Präsident des Deutschen Volleyball-Verbandes, möchte diesem Trainer gerne die Verantwortung weiterhin überlassen.

Den Spielern ist vor der Olympia-Qualifikation nicht bange. Christian Pampel sagt: „Es wäre gut, wenn wir da so reingehen wie in die EM. Wir haben hier doch traumhaftes Volleyball gespielt.“ Die Partie heute gegen Polen ist schon Teil der Olympia-Vorbereitung. Gerade deshalb wird sich das deutsche Team auch nicht hängen lassen. Moculescu sagt: „Wir haben im Verlauf des Turniers sehr viel Energie verbraucht, vor allem geistige Energie. Da hast du einen Traum vor dir, der ist greifbar nahe und dann auf einmal weg. So etwas zeigt Wirkung. Diese Spuren müssen wir wegwischen.“ Je früher, desto besser. Also am besten schon gegen Polen.

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