Mehmet Scholl : Zum Abschied ein Fest

Den Fußballprofi Mehmet Scholl gibt es nicht mehr. Bayerns Nummer 7 geht so pompös, wie er einst spielte.

Helmut Schümann[München]
Scholl
Große Party in München. Abschied von Mehmet Scholl. -Foto: dpa

Das erste Mal pumpte Mehmet Scholl nach 14 Minuten. Das zweite Mal nach 17 Minuten. Er pumpte schwer. In der 19. Minute gelang ihm eine Flanke, und als der Gegner vom FC Barcelona den Ball zu Scholls Kollegen vom FC Bayern München abwehrte, da stand der arme Mehmet ganz erschrocken immer noch auf der Torauslinie, hob beschwörend die Arme, um nicht angespielt zu werden, weil er nicht mehr die Luft hatte, um aus dem Abseits zu laufen. Alles in allem wurden es 54 lange letzte Arbeitsminuten für Mehmet Scholl, den verdienten Meister des Sports. Puh!

Und nun ist er weg. Verabschiedet nach einer langen, glanzvollen Karriere von 69 000 Zuschauern in der ausverkauften Arena in München, vom FC Barcelona und von einem Spiel, das sein Abschiedsspiel war und das – zur Hebung von ein wenig Ernsthaftigkeit – tituliert war als Spiel um den Franz-Beckenbauer-Cup. Mit der Ernsthaftigkeit wurde es dann lange doch nichts, der erste Freistoßpfiff zum Beispiel erfolgte in der 35. Minute, ein Schubserchen von Lucio gegen Ronaldinho war vorausgegangen. Interessiert das Ergebnis dieses Spielchens? 0:1. Nach einem sehenswerten Schuss von Lionel Messi in der 82. Minute. Ansonsten, es gab keine Kapriolen, keine verknoteten Wundertricks von Ronaldinho, kein Solo von Messi, nur Fußball ohne Körperkontakt.

Aber es war ja auch Schollis Fest. Und es wurde seinem extravaganten Fußballspiel gerecht: Bombastisch, pompös und operettenhaft wurde Scholl ins Retiro geschickt. Ein paar Menschen vom Europapark Rust führten vor dem Spiel eine Art Performance auf, mit Trommlern, Turnern, Luftballons und Feuer und einer Fahne mit dem Konterfei des Mehmet Scholl. Sogar die Jungs von Scholls Sport-Leistungskurs aus dem Karlsruher Gymnasium des Abiturjahrgangs 1991 waren komplett angereist, um den Schulfreund zu ehren. Die offizielle Ehrung durfte dann aber doch Ronaldinho übernehmen und Scholl ein Extrageschenk überreichen. Der war begeistert, ein ganz Großer verabschiedet einen nicht ganz so Großen.

Und das ist ja das Erstaunliche, dass dieser Mehmet Scholl – 1x Europameister, 1x Weltpokalsieger, 1x Champions-League-Sieger, 1x Uefa-Cup-Sieger, 8x Deutscher Meister, 5x DFB-Pokalsieger, 0x Weltmeister, 0 WM-Spiele – am Ende eine derartige Wertschätzung genoss, dass sein Karriereende mit 36 Jahren derart zelebriert wird. Er selber nahm das Ende auch eher nüchtern: „Ich bin dann jetzt weg und wünsche euch eine schöne Zeit.“ Und das war er dann auch.

Immerhin gab Scholl vorher noch zu, dass es nicht ganz so leicht sei, „wenn man mit einer Leidenschaft abschließt“. Er sei stolz, dass er die 15 Jahre bei Bayern durchgehalten habe – allerdings habe er noch keinen Plan, wie es weitergehen soll: „Schaun mer mal.“ Und dann gab es doch noch so etwas wie Rührung. Als alles gesagt war nach dem Jokusspiel um den Franz-Beckenbauer-Cup, da nahm sich Frank Rijkaard noch einmal das Mikrofon. „Ich gratuliere Mehmet Scholl zu seiner großartigen Karriere“, sagte der Trainer des FC Barcelona. „Er war ein großartiger Spieler.“ Franz Beckenbauer ergänzte: „So ein Typ wie der Mehmet wird der Bundesliga fehlen.“ Aber der Mehmet hat dieses Lob schon nicht mehr gehört. Der war schon weg. Hinterlassen hatte er noch folgenden Satz: „Mein Leben ist nicht zu Ende – es geht jetzt erst los.“

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