Sport : Mehmet und die Türken (Kommentar)

seb

"Wo kommen sie nur alle her, diese Türken?", fragte am Sonntag die türkische Zeitung "Fanatik" süffisant. Fast 50 000 Türken waren tags zuvor im Münchner Olympiastadion gewesen, um ihre Mannschaft gegen das deutsche Fußballteam anzufeuern. Was einige Deutsche schlichtweg als Skandal ansahen, weil aus dem erhofften Heim- ein Auswärtsspiel geworden war. Nationalspieler Mehmet Scholl ("Freundlichkeit hin, Gastfreundschaft her, aber das darf nicht passieren") oder Bayern Münchens Manager Uli Hoeneß ("Unmöglich, das muss man besser organisieren"), die sich gerne als "global player" ihres Fachs sehen, hoben zu einer Schelte an, die von zwölf Millionen Fernsehzuschauern verfolgt wurde. Aussagen, die sind noch schlechter, als es das Spiel der Deutschen war. Oder sollen wirklich Nachbarn, mit denen wir Tür an Tür leben, für ein Fußballspiel ausgesperrt werden, nur weil sie nicht Deutschland siegen sehen wollen? Wo kamen sie nur alle her, diese Türken? Sie waren nur fixer, hatten sich rechtzeitig Karten besorgt, um ein friedliches deutsch-türkisches Fußballfest zu feiern. Die Türken waren einfach schneller. Auf und neben dem Platz.

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