Sport : Mehr als ein Moment?

Stefan Hermanns

Es gibt in der Sprache des Fußballs einige seltsame Ausdrücke und Wendungen, die im normalen Leben eher selten Verwendung finden. Fallrückzieher zum Beispiel oder Spitzenreiter, das Modewort dieser Saison aber heißt Momentaufnahme. Vor allem von den Bayern gibt es aus dieser Spielzeit schon so viele Momentaufnahmen, dass längst genügend Material für einen abendfüllenden Spielfilm vorliegen müsste. Für einen Film, der wegen seiner wirren Handlung bei der Kritik allerdings auf wenig Verständnis stoßen würde.

Da gibt es die Bayern, die so gut in die Champions League gestartet sind wie nie zuvor: mit drei Siegen (davon zwei auswärts) und ohne Gegentor. Und da gibt es die Bayern, die durch die ach so mäßige Bundesliga holpern. In acht Spielen haben sie dreimal verloren, genauso oft wie der Drittletzte Wolfsburg. Erst zwölf Tore haben sie geschossen – nur eins mehr als der Aufsteiger Cottbus. Zehn haben sie kassiert, so viele wie Arminia Bielefeld. Vor einer Woche galt das taktische Modell mit drei Stürmern noch als Versprechen auf eine bessere Zukunft und als Lösung der Post-Ballack-Depression, in Bremen wurde dasselbe System als Ursache für die desaströse Niederlage ausgemacht.

Der direkte Vergleich mit Werder verheißt den Bayern für den Moment wenig Gutes. Die Bremer sind in sich gefestigt, spielen – seit Jahren schon – ein festes System und haben mit Torsten Frings eine Führungskraft, die den Bayern fehlt. Dass sie Michael Ballack nicht halten konnten, ist ihnen nicht vorzuwerfen; dass sie ihn anschließend aus Trotz auf Roque-Santa- Cruz-Niveau heruntergeredet haben und sich nicht rechtzeitig um Ersatz bemüht haben – das allerdings werden sie inzwischen selbst als Fehler erkannt haben.

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