Sport : Mehr als ein Selbstdarsteller

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Peter Neururer? Schublade auf, Vorurteil raus. Das ist doch der Mann, der von sich sagt, seine Kompetenz prädestiniere ihn für einen Job bei Real Madrid. Einer, der sich im diametralen Gegensatz zu dieser Selbsteinschätzung seit Jahren auf Tribünen und in Talkshows fortbilden muss. Der schon lange nicht mehr auf der Liste der üblichen Verdächtigen steht, wenn irgendwo ein Trainer entlassen wird. Es muss dem VfL Bochum schon sehr dreckig gehen, wenn er sich jetzt von Peter Neururer retten lassen will.

Dem VfL geht es in der Tat dreckig. Platz 16 in der Zweiten Liga, Tendenz fallend. Und dass er sich jetzt von Peter Neururer retten lassen will, ist eine durchaus schlüssige Idee.

Vorurteil rein, Schublade zu. Peter Neururer ist keinesfalls der methodisch beschränkte Volltrottel, wie es seinem Image entspricht. Er ist aber auch nicht ganz schuldlos an diesem Image. Neururer hat, lange nach Max Merkel und lange vor José Mourinho, dem Prinzip der Selbstvermarktung höchste Priorität eingeräumt. Das war durchaus erfolgreich. Neururer inszenierte sich so nachhaltig als Spezialist für Feuerwehreinsätze, dass er über Jahre stets erste Wahl war bei der Besetzung spontaner Vakanzen. Das Image eines Feuerwehrmannes implizierte aber auch eine übersichtliche Halbwertszeit. Wenn sich nach geglückter Rettung erste Misserfolge einstellten, war er den Job schnell wieder los.

Einmal nur hat der Feuerwehrmann Neururer langfristig arbeiten können. Dieses erste Engagement in Bochum währte fast vier Jahre lang und führte den VfL bis in den Uefa-Cup. Dazu bedurfte es auch schon zu Beginn dieses Jahrtausends einer etwas größeren Kompetenz als der Selbstinszenierung. Wenn also ein Verein verinnerlicht hat, dass sich längerfristige Arbeit mit Neururer lohnen kann, dann ist es der VfL Bochum. Und sollte Neururer zudem seinem Ruf als Feuerwehrmann gerecht werden, könnte das für beide Seiten der Beginn einer besseren Zukunft sein.

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