Sport : Mehr als Mitläufer

Albas Sieg in Ostende macht Hoffnung, dass von den Basketballern im Uleb-Cup einiges zu erwarten ist

Helen Ruwald

Berlin - Dem ersten Auswärtssieg im Uleb-Cup seit fast zwei Jahren folgte bei Alba Berlin eine lange Nacht. Allerdings nicht, weil die Basketballprofis nach dem 80:69 beim Belgischen Meister Telindus Ostende auf ihren Erfolg angestoßen und ausdauernd gefeiert hätten. Center Ruben Boumtje-Boumtje benötigte für die Dopingprobe viel Zeit, sodass die Mannschaft erst um Mitternacht die Halle verließ und morgens um halb drei wieder mit ihrer Chartermaschine in Berlin landete. Der folgende Tag begann für Teammanager Hennig Harnisch bodenständig: bei den Friedrichshain-Kreuzberger Bezirksmeisterschaften im Schulbasketball, wo Harnisch sich der Nachwuchsförderung widmete.

Auf den Boden geholt werden musste er freilich nicht nach einem Erfolg, der nach neun Auswärts-Niederlagen in Folge schon als denkwürdig gelten darf und der erste internationale Erfolg in fremden Hallen für Trainer Henrik Rödl war – und der ist immerhin seit Januar 2005 im Amt. „Man darf nicht zu viel Pathos entwickeln und nicht den historischen Augenblick sehen“, sagt Harnisch. „Nüchtern betrachtet war es ein Sieg gegen einen direkten Konkurrenten um den Einzug in die nächste Runde.“

So sieht es auch der in Ostende schwache Demond Greene, der sechs der neun Niederlagen miterlebt hat. „Die Vergangenheit ist abgehakt. Wir freuen uns nicht, weil wir auswärts endlich gewonnen haben, sondern weil wir gute Chancen haben, uns fürs Achtelfinale zu qualifizieren.“ Die ersten vier Teams der Sechsergruppen ziehen in die nächste Runde ein. Alba liegt nach drei Spieltagen und zwei Siegen auf Platz zwei – allerdings nur einen Zähler vor dem Letzten, Ostende. Harnisch warnt vor Übermut: „Vor zwei Jahren sind wir mit vier Siegen gestartet und nicht weitergekommen.“ Damals galt aber ein anderer Modus, Alba schied als Vierter aus.

Albas Anspruch ist es, schnellstmöglich wieder in der erstklassigen Europaliga anzutreten und sich dort dauerhaft zu etablieren. Nun hat die Mannschaft wenigstens bewiesen, dass sie im gut besetzten, aber zweitklassigen Uleb-Cup mithalten kann. Sie muss sich nicht wie in der Vorsaison (erster von drei Siegen am siebten Spieltag) mit Durchhalteparolen und Wahrscheinlichkeitsrechnungen von Spiel zu Spiel schleppen.

Am Dienstag demonstrierte Albas neu zusammengestellte Mannschaft trotz schwacher Freiwurfquote (60 Prozent) viel Selbstbewusstsein. Den Spielern war nicht nur bewusst, dass Ostende zu schlagen ist – sie gewannen, und das ist neu, tatsächlich. Die Theorie wurde nicht von der Praxis überholt. Einen Acht-Punkte-Rückstand konterte Alba vor der Pause mit einer 12:0-Serie, zu der der souveräne Spielmacher William Avery acht Zähler (insgesamt 21) beisteuerte. Auch in der Schlussphase zeigten die Gäste, dass sie mit Druck umgehen können. Bis auf vier Punkte kam Ostende heran, ehe Albas starke Verteidigung in den letzten vier Minuten nur noch einen Punkt zuließ. Chris Owens (20 Punkte) war unter dem Korb stets gefährlich, Koko Archibong spielte „sensationell“ (Harnisch) gegen Lavor Postell, der in der Vorwoche beim Sieg gegen Chimki noch 30 Punkte erzielt hatte.

Die Russen, die zu den Favoriten in der Gruppe C zählen, haben erst eines von drei Spielen gewonnen und stehen am kommenden Dienstag gegen Alba bereits unter Erfolgsdruck. Berlins Teammanager Henning Harnisch spricht zwar von einem starken Gegner und einer starken russischen Liga, klingt aber optimistisch: „Unser Sieg bringt Stabilität. Wir fliegen mit guten Gefühlen nach Moskau. Vielleicht können wir da was holen.“ Alle Nüchternheit kann eines nicht kaschieren – das neue Selbstbewusstsein von Alba Berlin.

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