Sport : Mehr Charakter

Erst die neue Saison wird zeigen, ob die vergangene bei Hertha BSC ein Jahr des Übergangs war

Stefan Hermanns

Berlin. Ende des Monats wird die Vergangenheit noch einmal bei Hertha BSC zu Gast sein. Am 27. Juli richtet der Fußball-Bundesligist das Abschiedsspiel für Michael Preetz und Eyjölfur Sverrisson aus, die alten Helden, die im Mai ihre Karriere beendet haben. Als Gegner für das Spiel ist Galatasaray Istanbul verpflichtet worden, und laut Manager Dieter Hoeneß „ist das als Symbol zu werten“. Galatasaray war im Spätsommer 1999 Herthas erster Gegner in der Champions League, gerade mal zwei Jahre nach Herthas Aufstieg in die Bundesliga. Die Qualifikation für die Champions League sei das Highlight gewesen für Preetz und Sverrisson, sagt Hoeneß. Für Hertha BSC war es ein Quantensprung.

Vier Jahre sind seitdem vergangen, und im Grunde versucht Hertha immer noch, auf das einst erreichte Niveau zurückzukehren. Der Klub hat sich zwar als einziger Verein neben den Bayern in den vergangenen fünf Jahren fünfmal für einen europäischen Wettbewerb qualifiziert, für die Champions League aber hat es seit 1999 nicht mehr gereicht. Von Stagnation sprechen daher die einen, Manager Hoeneß benutzt lieber das Wort Konsolidierung. Das klingt etwas positiver.

Dass Hertha bereits 1999 in der Champions League mitspielen durfte, war so, als würde man bei einem Haus mit dem Dach anfangen, obwohl die Mauern noch gar nicht stehen. Eigentlich ist Hertha immer noch damit beschäftigt, erst einmal die Basis zu schaffen, auf der sich der Verein dauerhaft entwickeln kann. Auch vor der neuen Saison sagt Hoeneß daher: „Wir haben unsere Lehren gezogen aus dem vergangenen Jahr.“

Das vergangene Jahr war ein wenig holprig. Es begann durchwachsen, zwischendurch wurde es richtig gut, aber am Ende verspielte die Mannschaft die Chance, sich für die Champions League zu qualifizieren. Doch wenn Hertha Glück hat, wird diese Saison, die erste unter Trainer Huub Stevens, als Übergangssaison in die Geschichte eingehen, als eine, in der sich Spieler und Trainer erst aneinander gewöhnen mussten, bevor es richtig losging. Genau darauf laufen die Planungen des Vereins hinaus.

Sieben Spieler haben Hertha verlassen, nur drei wurden hinzuverpflichtet. Bei diesen drei aber „haben wir keinerlei Risiko“, sagt Hoeneß. „Da wissen wir genau, was kommt.“ Mit Fredi Bobic (14 Saisontore) und Artur Wichniarek (12) stoßen zwei Stürmer zu Hertha, die vor allem torgefährlich sind. Daran hat es in der vergangenen Saison am meisten gemangelt. Bester Torschütze der Berliner war Marcelinho – ein Mittelfeldspieler. Niko Kovac, der dritte Neuzugang, soll ein wenig Siegermentalität von den Bayern mit nach Berlin bringen. Hoeneß glaubt, dass alle drei „von ihrem Charakter, ihrer Persönlichkeitsstruktur der Mannschaft helfen können“.

Um dies zu erreichen, ist Hertha sogar vom Weg der kontinuierlichen Verjüngung abgewichen, den Hoeneß immer wieder vorgegeben hat. Wichniarek ist 26, Bobic und Kovac werden im Oktober 32. Mit ihrer Verpflichtung sind vor allem kurzfristige Ziele verknüpft. „Wir wollen mehr Konstanz in unser Spiel bringen“, sagt Trainer Stevens. Hätte es diese Konstanz schon in der vorigen Saison gegeben, würde Hertha bereits im Herbst in der Champions League spielen. So aber ist es nur der Uefa-Cup, und sollte es der auch im nächsten Jahr werden, wären bei Hertha offiziell alle zufrieden. „Wir wollen ins internationale Geschäft“, sagt Hoeneß. Dieses Ziel gelte ohne Einschränkung, schließlich „haben wir unsere Erfahrungen mit Saisonzielen gemacht“. Es gab schon Spieler bei Hertha, die haben von der Meisterschaft gesprochen.

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