Sport : Mehr Energie

Vor über 14 000 Zuschauern siegt Cottbus 1:0 gegen Union

Karsten Doneck

Berlin. Wenn die Sonne brennt, und es auch auf dem Platz heiß hergeht, dann brennen bei Tomislav Piplica schon mal die Sicherungen durch. Im Stadion an der Alten Försterei lief die Nachspielzeit, als der Torwart von Energie Cottbus provozierend lässig mit dem Spielball am Fuß jonglierte, wohl um Zeit zu schinden. Schiedsrichter Markus Merk pfiff die Partie ab. Aber Piplica hatte offenbar noch nicht genug. Da kam ihm Mirko Votava, der Trainer des 1. FC Union, in die Quere. Es hatte etwas Verächtlichmachendes, als Piplica nun unbedingt Votava umarmen wollte. Votava stieß den liebebedürftigen Torwart weg. Union gegen Cottbus – das war ein Zweitliga-Derby mit vielen Emotionen und einem verdienten Sieger: Die reifer und abgeklärter spielenden Cottbuser siegten vor 14 191 Zuschauern 1:0 (1:0).

„Was Piplica da am Schluss gemacht hat, das gehört sich nicht. Ich werde das ansprechen“, drohte Energies Trainer Eduard Geyer. „So macht man den Fußball kaputt“, schimpfte Unions Präsident Heiner Bertram. Allerdings befand sich Piplica in einer extremen Stresssituation. Von der 53. Minute an hatte sich ihm nämlich ein Nebenverdienst eröffnet. 50 Cent Pfand verlangt Union für die Halbliterbecher aus Plastik, in denen im Stadion Bier und Brause ausgeschenkt werden. Und diese Becher flogen Piplica zuhauf um die Ohren, geworfen von empörten Fans. Sie bezichtigten den Cottbuser Schlussmann, beim Platzverweis von Unions Frederic Page geschauspielert zu haben. Allzu umgestüm war Page im Kampf um den Ball auf Piplica zugesprungen, der Torwart ließ sich rund zwei Minuten auf dem Platz behandeln. Merks Entscheidung, Rot gegen Page zu ziehen, war vertretbar. Für den Schiedsrichter wurde die Aufgabe danach nicht leichter. Merk sagt selbst: „Noch bevor ich die Rote Karte gezogen hatte, wusste ich: Markus, jetzt wird’s schwer.“ Bertram war noch nach dem Abpfiff erbost über den Pfeifenmann. „Warum spricht er, bevor er so eine schwerwiegende Entscheidung trifft, nicht mit seinem Assistenten?“ fragte er. Merk reagiert gelassen: „Das ist nicht nötig, wenn man genau auf die Szene draufschaut.“ Und auf Bertram gemünzt, ergänzt er: „Aber es gibt eben Menschen, die meinen, zu allem etwas sagen zu müssen.“

Erstaunliches tat sich nach dem Platzverweis: Union legte in Unterzahl plötzlich die zuvor vermissten kämpferischen Tugenden an den Tag und brachte die bis dahin dominierenden Cottbuser in Bedrängnis. Zu einem Tor reichte es nicht. Energie brachte die 1:0-Führung, erzielt durch einen von Reghecampf verwandelten Foulelfmeter (19.), über die Runden. Auch dieser Strafstoß löste endlose Diskussionen aus. Markus Merk aber stellte kategorisch fest: „Eine klare Geschichte, klares Halten.“ Unions Ernemann war Silva Olivera ans Trikot gegangen.

Dass die Partie alles andere als ein freundschaftlicher Treff unter Nachbarn werden würde, war schon zu Anfang deutlich geworden. Sinnbildlich dafür stand Energies Marco Gebhardt. Dessen rechter Trikotärmel hing schon kurz nach Beginn nur noch in Fetzen am Oberarm. Doch insgesamt hatte Markus Merk das Geschehen fest im Griff. Was ihm auch der Cottbuser Kapitän Christian Beeck hinterher bescheinigte. „Wir haben den besten Schiedsrichter Deutschlands gehabt heute. Was soll also falsch gewesen sein?“, fragte Beeck.

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