Sport : Mehr Glanz

Stefan Hermanns

über Leverkusens Versuch, wieder beachtet zu werden Kleines Quiz: Von welchem Leverkusener stammt folgende Aussage zum Streit um das WM-Quartier: „Klinsmann hat am Strand von Los Angeles genug Zeit, um sich fruchtbare Gedanken zu machen.“? Von a) Meinolf Sprink, dem Sportbeauftragten des Bayer-Konzerns? Oder b) Reiner Calmund, dem rheinischen Faktotum des Klubs? Oder c) von Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser, der seit Calmunds Abgang allein die Geschicke des Vereins lenkt?

Die richtige Antwort lautet c), was insofern verwunderlich ist, als bisher niemand Wolfgang Holzhäuser überhaupt hat sprechen hören. Gut, das ist jetzt ein wenig unfair. Auch Holzhäuser hat ab und zu was gesagt, aber das hat keiner wahrgenommen, weil Reiner Calmund im Zweifelsfall immer ein paar Dezibel lauter gesprochen hat.

Neben dem barocken Calmund hat Holzhäuser immer wie ein Apparatschik gewirkt, und dass er als Fachmann in allen Finanzfragen gilt, hat diesem Bild nicht unbedingt widersprochen. Jetzt, ohne Calmund, ist Holzhäuser zwangsweise auch für dessen Fach Folklore zuständig. Sein Wortbeitrag in Sachen WM-Quartier, stark angelehnt an die Calmundsche Diktion, könnte als erster Versuch in diese Richtung gedeutet werden. Bayer Leverkusen läuft im Moment Gefahr, sich innerhalb einer einzigen Saison um 20 Jahre zurückzuentwickeln: vom Klub mit internationalem Anspruch zum gesichtslosen Werksverein. Die Trennung von Reiner Calmund war eine Entscheidung für mehr Seriosität. Im aufgeblasenen Fußballgeschäft wird Seriosität aber leicht als Langeweile verstanden.

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