Sport : Mehr Klarheit

Am Ende des Trainingslagers zeichnet sich ab, wer beim Rückrundenstart in Herthas Anfangself stehen könnte

Stefan Hermanns

Maspalomas. Am letzten Trainingstag im Estadio Municipal von Maspalomas gab es noch einmal einen kritischen Augenblick. Herthas Manager Dieter Hoeneß schaute ein wenig erschrocken, Peter Bentin, der Physiotherapeut des Berliner Fußball-Bundesligisten, rannte ganz aufgeregt an die Seitenlinie. „Wo ist das Eis?“, rief er, dann lief er zum Verletzten auf der Tartanbahn. Neben der Hochsprungmatte lag Roman Sebrle, der tschechische Zehnkampf-Weltrekordler. Kurz darauf stand er wieder auf. Alles nicht so schlimm.

Dass Hoeneß wenig später von einer „reibungslosen, harmonischen Geschichte“ sprach, lag auch daran, dass Hertha bis auf Gabor Kiraly (Muskelfaserriss) und Andreas Schmidt (Verdacht auf Kapselriss im Fuß) im Trainingslager auf Gran Canaria von schweren Verletzungen verschont geblieben ist. Dazu hat Herthas Manager bei den Spielern „mehr Optimismus, mehr Zuversicht, mehr Hoffnung“ ausgemacht. „Ich musste meine Hoffnungen nicht korrigieren.“

Bei manchem Spieler wird das inzwischen anders sein, jetzt, da es erste Hinweise gibt, wer beim Rückrundenstart in zehn Tagen in der Anfangself stehen könnte. Im Training ließ Trainer Hans Meyer gestern erstmals die potenzielle A-Elf gegen die Reservisten antreten. Am Abend spielte Hertha gegen den Zweitligisten UD Las Palmas (bei Redaktionsschluss noch nicht beendet), heute fliegt die Mannschaft zurück nach Berlin. „Was wäre ich für ein Trainer, wenn ich in zweieinhalb Wochen nicht schon ein paar Dinge erkannt hätte?“, sagt Meyer. Schon vor dem letzten Test beim Karlsruher SC (Samstag, 14.30 Uhr) gibt es Aufschlüsse, wie die Mannschaft in Bremen aussehen könnte.

Tor: Die Frage, wer im Tor steht, ist gewissermaßen kampflos entschieden worden. Die bisherige Nummer eins Gabor Kiraly zog sich im Trainingslager einen Muskelfaserriss zu. Von zwei Wochen Pause war anfangs die Rede. Inzwischen aber sieht es so aus, als könne der Ungar „schneller wieder da sein, als wir gedacht haben“, sagt Meyer. Dass Herthas Trainer während der laufenden Saison noch einmal tauscht und Christian Fiedler wieder zum Ersatzmann macht, ist trotzdem unwahrscheinlich.

Abwehr: Beim Trainingsspiel stand der Kapitän und bisherige Abwehrchef Dick van Burik nur in der B-Elf. Der Holländer hatte in den Tagen zuvor Probleme mit der Achillessehne, doch daran lag es nicht. „Er ist gesund“, sagte Meyer. Marko Rehmer und Arne Friedrich scheinen für die Viererkette gesetzt zu sein. Van Burik und Josip Simunic kämpfen um den zweiten Platz in der Innenverteidigung. Entscheidet sich Meyer für Simunic, könnte Malik Fathi dessen eigentliche Position auf der linken Seite übernehmen. „Fathi scheint mir von den jungen Spielern der psychisch stärkste zu sein“, sagt Manager Hoeneß. Der 20-Jährige hat unter anderem Nationalspieler Michael Hartmann hinter sich gelassen. „Es ist nicht wichtig, wie viele Bundesliga- oder Länderspiele einer bestritten hat“, sagt Hoeneß.

Mittelfeld: Pal Dardai wird die wichtige Rolle im defensiven Mittelfeld übernehmen. „Ich habe richtig viel gearbeitet“, sagt der Ungar, der wegen einer Verletzung einen Teil der Vorbereitung verpasst hat. Inzwischen sei er wieder bei 70 Prozent seines Leistungsvermögens. Manager Hoeneß hat es „sehr gut gefallen, wie Pal sich herangearbeitet hat. Das zeigt seinen Charakter.“ Die Entscheidung für Dardai ist auch eine gegen Niko Kovac. Der Kroate hat Meyer mit seiner Interpretation der kontrollierenden Mittelfeldposition nicht überzeugen können.

Offen ist, wer neben Marcelinho und Bart Goor den vierten Platz im Mittelfeld übernimmt. Für die rechte Seite sucht Hertha noch einen Spieler. Aber selbst wenn ein Neuer kommt, hält Meyer es für unwahrscheinlich, dass er schon in Bremen spielen wird. Nach den letzten Eindrücken läuft es auf Bartosz Karwan hinaus. Manager Hoeneß meinte vor allem den oft unscheinbaren Polen, als er sagte, „dass der eine oder andere, der bisher eher ein Schattendasein geführt hat, aufgeblüht ist“.

Sturm: Das größte Problem im Sturm ist für Meyer, dass bestimmte Konstellationen per se ausfallen. Mit Fredi Bobic, Artur Wichniarek und dem Brasilianer Luizao hat Hertha drei reine Strafraumstürmer im Kader. Am sinnvollsten wäre eine Kombination aus Bobic oder Luizao mit Nando Rafael, der schnell ist und um den Mittelstürmer herumspielen könnte. „Aber Nando war in dieser Vorbereitung ein bisschen benachteiligt“, sagt Meyer. Er fehlt in den ersten beiden Spiele wegen einer Roten Karte. Meyer muss also improvisieren. Neben Bobic könnte Alexander Mladenow als hängende Spitze anfangen – nicht weil er in drei Testspielen zwei Tore geschossen hat, sondern weil sich seine Fähigkeiten mit denen von Bobic ergänzen. Mladenow kann einen Ball halten und auch mal aus dem Hintergrund mit dem Ball in den Strafraum stürmen.

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