Sport : Mehr Kompetenz

Stefan Hermanns

Aus gut unterrichteten Kreisen ist inzwischen der wahre Grund publik geworden, warum Jürgen Klinsmann nun doch nicht neuer Nationaltrainer in den USA wird. Klinsmann hatte in den Verhandlungen mit dem amerikanischen Verband darauf bestanden, dass er seinen Wohnsitz an den Starnberger See verlegen dürfe und die Nationalmannschaft von Deutschland aus trainieren werde. Aus Angst vor einer ausschweifenden debate on residence (Wohnsitzdebatte) habe der Verbandschef dieses Ansinnen ganz entschieden abgelehnt.

Nee, war nur’n Scherz. Über die genauen Gründe des Scheiterns kann man einstweilen nur spekulieren, aber da es am Geld nicht gelegen hat, bleibt als Streitpunkt nur die Frage der Kompetenzen, die Klinsmann für sich beansprucht hat. Ja, ja, die Amerikaner hatten’s gut. Sie wussten, worauf sie sich mit dem Revolutionär aus Deutschland eingelassen hätten. Der DFB wusste es nicht, als er Klinsmann vor zweieinhalb Jahren weitreichende Befugnisse einräumte. Konnte ja keiner ahnen, dass er sie dann auch so schamlos nutzen würde. Zum Nachteil des deutschen Fußballs war es trotzdem nicht, dass Klinsmann ein paar neue Ideen hatte und niemand ihn hindern durfte, sie auch umzusetzen; zum Nachteil des amerikanischen Fußballs wäre es vermutlich auch nicht gewesen, jemandem die Betreuung der Nationalelf zu übertragen, der erwiesenermaßen Ahnung vom Fach hat.

Jürgen Klinsmann wiederum wird das Scheitern der Verhandlungen überleben. Noch gibt es mindestens 29 Teilnehmer der WM 2010, die sich ganz bequem von Kalifornien aus trainieren lassen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar