Sport : Mehr Kunst als Zirkus

Sven Goldmann

verabschiedet die Ausnahmeturnerin Swetlana Chorkina Swetlana Chorkina hört auf. Zehn Jahre lang hat die Russin das Turnen beherrscht wie keine zweite Athletin, aber wie eine ganz beliebige gebärdet sie sich zum Abschied. Sie hat sich das alles anders vorgestellt, mit einer Goldmedaille im Mehrkampf bei den Olympischen Spielen in Athen. Aber die Kampfrichter, die bösen Kampfrichter, waren gegen sie, dabei „sollte doch Turnen immer fair und gerecht sein, und das war es auch einmal. Aber heutzutage spielt Geld eine große Rolle.“

Alles schon mal gelesen, alles schon mal gehört. So reden alternde Athleten, und im Allgemeinen findet das keine große Beachtung. Im Besonderen aber geht es hier nicht um irgendeine Turnerin, sondern um Swetlana Chorkina, die Frau, der eine olympische Kernsportart ihre Reputation verdankt. Anders als zu Beginn der Neunzigerjahre wird das Turnen heute nicht primär mit wachstumshemmenden Hormonen und ausgebeuteten Kindern in Verbindung gebracht. Damals prägten halbwüchsige Mädchen mit waghalsigen Sprüngen das Bild bei internationalen Meisterschaften. Heute ist Turnen weniger Zirkus denn Kunst. Das ist Swetlana Chorkinas Verdienst.

Mit ihren 163 Zentimetern Körperlänge hat sie einen Maßstab gesetzt. Weg vom Mädchen-, hin zum Frauenturnen. Im Wettkampf versprühte sie noch in Athen mit ihren 25 Jahren die kühle Klasse einer Frau, die nicht nur als Turnerin, sondern auch als Schauspielerin hätte Karriere machen können. Anmut, Eleganz und 24 internationale Titel bleiben von Swetlana Chorkina in Erinnerung. Nicht die kleinkarierte Kritik, mit der sie sich gestern verabschiedet hat.

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