Sport : Mehr Macht für mehr Geld

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Stefan Hermanns über die Idee,

die DFL aufzuwerten

Man stelle sich einmal vor, der Vorstandschef des tschechischen Automobilherstellers Skoda würde sich dafür aussprechen, das Verhältnis seines Unternehmens zur Konzernmutter VW neu zu definieren. Und zwar so, dass nun Skoda die Macht im Volkswagen-Konzern übernehme und VW ein Minderheitsgesellschafter werde. So ähnlich ist wohl der Vorstoß von Wolfgang Holzhäuser zu verstehen, der den Deutschen Fußball-Bund (DFB) zum Gesellschafter der Deutschen Fußball-Liga (DFL) machen will. Bisher ist es umgekehrt. „Alles, was der DFB macht, kommt direkt oder indirekt vom Ligafußball“, sagt Holzhäuser. Das ist eine sehr mutige Argumentation, wenn man bedenkt, dass den 36 Vereinen der Ersten und Zweiten Liga 6 274 021 Mitglieder des DFB entgegenstehen, die in 26 239 Vereinen organisiert sind und in 186 246 Mannschaften Fußball spielen.

Aber man ist es ja schon gewohnt, dass aus den Reihen der Liga immer wieder recht beschränkte Vorschläge an die Öffentlichkeit gelangen. Gerade erst war es die Überlegung, die Bundesligaspiele künftig samstags schon zur Mittagszeit anzupfeifen, damit auch die Milliarden Chinesen noch vor dem Schlafengehen die Begegnung Hansa Rostock gegen den VfL Wolfsburg live im Fernsehen verfolgen können und dafür ein paar Millionen an die klamme DFL abdrücken. Holzhäusers Vorschlag passt bestens in diese Argumentationskette. Bei allem, was die Liga umtreibt, geht es nur ums Geld.

Das Geld ist nicht nur die Antriebsfeder der DFL, es ist letztlich auch ihre einzige Existenzberechtigung. Sobald nämlich der Verband den Eindruck erweckt, dass es ihm nicht gelingt, genug Geld zu akquirieren, regt sich der Widerstand seiner Mitglieder. Wozu brauchen wir die DFL überhaupt, wenn wir ohne deren Hilfe viel mehr für uns herausschlagen könnten – zum Beispiel bei der Einzelvermarktung der Fernsehrechte?

Die handelnden Personen der DFL sind von den Bayern aus München daher schon längst mit einem allgemeinen Dilettantismusverdacht belegt worden. Am liebsten, so hat deren Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge einst verkündet, möchten die Bayern mit der DFL gar nichts mehr zu tun haben. Und genau diese DFL soll bald alleine über das Schicksal des deutschen Fußballs entscheiden?

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