Sport : Mehr Politik wagen

Eine Berliner Diskussion zu Fußball und Rassismus

Hannes Maurer

Berlin - Der Nigerianer Adebowale Ogungbure, der deutsche Nationalspieler Gerald Asamoah und die Spieler vom jüdischen Verein TuS Makkabi haben eines gemeinsam: Sie alle wurden zuletzt auf dem Fußballplatz mit rassistischen Äußerungen beleidigt. Man könnte meinen, dass die gestrige Veranstaltung zum Thema „Fußball und Rassismus“ des Halkçi Devrimci Birligi, ein Berliner Verein der türkischen Sozialdemokraten, eine Reaktion auf die letzten Vorfälle gewesen sei. Das ist aber nicht so. Die Diskussionsrunde war schon länger geplant, denn das Problem ist keineswegs neu.

„Jahrelang wurde Rassismus in den Stadien ignoriert und das Verhalten damit toleriert“, sagt Björn von Swieykowski von der Mobilen Beratung gegen Rechtsextremismus. Mit ausländerfeindlichen Transparenten („Zigeuner“), Sprechchören („Schiri, du Jude“) und Verhaltensweisen (Affenlaute, Hitlergruß) zeigten sich immer wieder rassistische Fans bei Fußballspielen. Warum es gerade beim Fußball vermehrt zu rassistischen Vorfällen kommt, erklärt von Swieykowski so: „Alle kampfbetonten Sportarten schaffen emotional aufgeladene Situationen. Fußball als beliebte Publikumssportart schafft in den Stadien Räume, in denen die gesellschaftlichen Konventionen nur bedingt gelten. Dort kann anonym aus der Masse heraus operiert werden.“

Laut von Swieykowski haben in Berlin die Vereine BFC, Union und Hertha BSC ein „ausgeprägtes Problem“ mit rassistischen Fans. Das müsse auf verschiedenen Ebenen bekämpft werden: In den einzelnen Vereinen und Verbänden, bei den „echten“ Fans und in den Medien. Es müsse klare Verantwortlichkeiten geben und ein antirassistisches Selbstverständnis, fordert von Swieykowski. Die Vereine sollten gezielt Projekte gegen Ausländerfeindlichkeit fördern und eine längerfristige Beschäftigung anregen. „Es geht um eine soziale Verantwortung. Die Vereine dürfen sich nicht hinter der Aussage ,Wir sind unpolitisch’ verstecken. Nur gemeinsam kann der Rassismus in den Stadien besiegt werden“, sagt von Swieykowski.

Mehmet Koc, Beauftragter für Pressearbeit beim Berliner Fußballklub KSF Umutspor, sagt: „Es muss harte Strafen geben.“ Oftmals würden die Vorfälle kleingeredet. Bei ausländerfeindlichen Äußerungen dürfe es aber keine Toleranz geben. „TuS Makkabi hat die Vorfälle in die Öffentlichkeit und damit ins Bewusstsein der Menschen gebracht. Jeder einzelne Fall muss dokumentiert und veröffentlicht werden“, sagt Mehmet Koc. Er hoffe auf abschreckende Sanktionen im Fall TuS Makkabi. Woher die rassistische Einstellung komme, könne er nicht beantworten, sagt von Swieykowski. „Aber die Fußballstadien bieten zurzeit eine Plattform dafür.“

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