Sport : Mehr reden

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Felix Meininghaus über den richtigen Umgang mit Fußballstars

Mit der Erziehung ist es so eine Sache. Verbietet man Kindern das Fernsehen, kann es passieren, dass sie in späteren Jahren umso öfter vor dem Fernseher sitzen werden. Setzt man wie in den USA das Mindestalter für Alkohol auf 21 Jahre fest, kann es passieren, dass die Jugendlichen auf Partys nur umso mehr Alkohol trinken. Soll heißen: Manche Erziehungsmaßnahmen erreichen nur das Gegenteil. Bei Borussia Dortmund ist das anders. Dort hatte Trainer Matthias Sammer mit einer Maßnahme sogar Erfolg.

Im Westfalenstadion geschah am Samstag das, was der Spieler Marcio Amoroso hasst: Er wurde ausgewechselt. Früher hat er in dieser Situation abgewinkt, hat den Trainer keines Blickes gewürdigt und ist stinksauer verschwunden. Am Samstag lächelte er und winkte den Zuschauern zu. Was ist passiert?

Zum einen hatte Amoroso beim 3:1 gegen 1860 München zwei Tore geschossen. Nur wenn er trifft, ist der Brasilianer ausgeglichen. In dieser Saison klappt das gut. Die Torschützenliste der Bundesliga führt Amoroso mit vier Treffern an, zudem erzielte er beim 1:2 in der ChampionsLeague-Qualifikation beim FC Brügge ein Tor, das noch bedeutsam werden kann. Schon in der Vorbereitung hatte sich Amoroso professioneller verhalten, kehrte sogar pünktlich aus dem Urlaub zurück. Bei Amoroso hat ein Lernprozess stattgefunden: Eine Investition in Höhe jener 50 Millionen Mark, die Dortmund für ihn überwiesen hat, wird derzeit kein Klub tätigen. Also muss er sich in Dortmund durchsetzen, um im Blickfeld zu bleiben.

Zudem nähern sich Sammer und Amoroso vorsichtig an. Der ehrgeizige Trainer und der kapriziöse Star, das war ein spannungsreiches Verhältnis. Sammer bemängelte Amorosos Kunstpausen. Er tue zu wenig für das Team. Immer öfter saß der Stürmer auf der Bank. Amoroso wiederum monierte fehlende Rückendeckung. Nun hat sich das Klima gebessert. Es sei wichtig, ständig mit ihm zu reden, stellte Sammer fest. Am Tag vor dem Spiel habe er ein langes Gespräch mit ihm geführt. Er sei überrascht gewesen, wie unglaublich sensibel Amoroso reagiere. Vielleicht ist dies auch das Rezept für alle anderen erfolglosen Erzieher: mehr reden.

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