Sport : Mehr rote X, bitte!

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Würde man wie der US-amerikanische Geheimdienst CIA eine Fahndungsliste anlegen, nicht mit gesuchten Terroristen, sondern mit Fifa-Funktionären unter Korruptionsverdacht, dann hätte man im vergangen Jahr eine Menge roter X darauf verteilen können. Jack Warner aus Trinidad und Tobago: von allen Ämtern im Weltverband zurückgetreten. Präsidentschaftskandidat Mohammed Bin Hammam: lebenslang gesperrt. Fifa-Ehrenpräsident Joao Havelange: dem Rauswurf aus dem IOC mit einem Rücktritt zuvorgekommen.

Nun hat sich Fifa-Exekutivmitglied Ricardo Teixeira von seinem Amt als brasilianischer Verbandschef zurückgezogen, auf unbestimmte Zeit, zwei Jahre vor der WM im eigenen Land. Den Grund kann man sich aussuchen: die drohende Öffnung der belastenden ISL-Akten. Mutmaßliche Bereicherung an Freundschaftsspielen. Die Staatspräsidentin Dilma Rousseff und der mächtigste Medienkonzern Globo, die sich von ihm abgewendet haben. Oder vielleicht sind es auch wirklich gesundheitliche Gründe.

Es spielt keine Rolle.

Denn wieder einmal hat sich ein Funktionär von Fifa-Rang durch seinen Rückzug vor weiteren Ermittlungen geschützt. So bleiben sein Name und Brasiliens WM 2014 unbelastet von Skandalen, die Justiz und Medien aufdeckten.

Es wird Zeit, dass sich die Fifa und ihre Verbände selbst glaubwürdige Mechanismen zulegen, um Korruption aufzuklären. Dazu gehört, auch nach Rücktritten weiter zu ermitteln, um Strukturen und Verflechtungen offenzulegen. Es fehlen noch viele X auf der Fahndungsliste.

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