Sport : Mehr Ruhe im Tor

Herthas Schlussmann Christian Fiedler ist nach mehreren Fehlern in die Kritik geraten – aber einen Torwartwechsel schließt der Trainer aus

Stefan Tillmann

Berlin - Christian Fiedler redet nicht gerne über sich. Als der Torwart von Hertha BSC zu Beginn der Saison mal im „Aktuellen Sportstudio“ saß, wirkten seine Antworten kürzer als die Fragen von Wolf-Dieter Poschmann. Dabei wollte der ZDF-Moderator doch nur Gutes: Fiedler hatte in den ersten Spielen großartig gehalten, der Bundesligist stand ungeschlagen auf dem dritten Platz und sein Trainer Falko Götz hatte ihn sogar als Nationaltorwart Nummer drei empfohlen. Der 31-Jährige erlebte so etwas wie den Höhepunkt seiner Karriere.

Das ist knapp drei Monate und ungefähr fünf Fehler von Fiedler her. Fünf Tage nach dem Auftritt im Fernsehen patzte er in Odense, und Hertha schied auch seinetwegen aus dem Uefa-Pokal aus. Es folgten Fehler in Cottbus, gegen Bochum, und in Leverkusen war er gleich an beiden Treffern mitschuldig. Nun redete Götz erstmals kritisch über seinen Stammtorwart: „Er hatte in dieser Halbserie sicher ein paar unglückliche Situationen.“ Diese hätten auch zu Punktverlusten geführt. Gleichzeitig dementierte er Meldungen, wonach der Klub bereits Verbindungen zum kroatischen Nationaltorwart Stipe Pletikosa habe.

Fiedler wird nicht gerne kritisiert. Dann wird er offensiv. Journalisten, die ihn schlecht benoten, giftet er schon mal direkt an, auch wenn seit der Benotung mehrere Spiele vergangen sind. Auch die Spekulationen um einen neuen Torwart schiebt er den Medien zu: „Es gibt wohl Leute, die mich weghaben wollen.“ Er räumt „unglückliche Situationen“ ein, dennoch fühlt er sich ungerecht behandelt. Jeder Torwart mache Fehler.

Christian Fiedler war erst in den vergangenen beiden Jahren die unbestrittene Nummer eins. Nach dem Aufstieg aus der Zweiten Liga und sieben Bundesligaspielen musste er nach einer 0:4-Niederlage bei Hansa Rostock den Platz für Gabor Kiraly räumen. Der Ungar wurde Publikumsliebling und war sechs Jahre lang der Stammtorwart. Später holte der Klub Tomasz Kuszczak. Beide gingen anschließend in die Premier League, Kiraly flog erst vor einigen Wochen bei Crystal Palace aus dem Team. Christian Fiedler blieb in Berlin. In den vergangenen beiden Saisons patzte er nur zweimal: gegen Köln und in Schalke.

Ersatztorwart Kevin Stuhr-Ellegaard galt lange nicht als Bedrohung. „Natürlich will er spielen. Aber der Konkurrenzkampf ist fair“, sagt Fiedler. Während sich einige Trainer in dieser Saison eines Torwarttausches bedient haben, schließt Götz dies aus: „Christian bleibt ein guter Torwart.“ Das vermeintliche Größenproblem des mit 1,80 Metern relativ kleinen Torwarts gleiche er mit starken Reflexen aus. „Bei uns wird es keine Torwartdiskussion geben.“

Dabei macht Stuhr-Ellegaard auf sich aufmerksam. Im Training hielt der Däne zuletzt stark. Der Trainer betont, dass der 23-Jährige „perspektivisch“ geholt wurde, weil er das Talent besitze, irgendwann die Nummer eins zu sein. Immerhin bestritt er bereits als 20-Jähriger vier Spiele für Manchester City in der Premier League. Götz lobte seine Leistung „in den letzten drei, vier Wochen in Herthas Regionalligamannschaft“. Noch vor drei Monaten wusste er über den Ersatzkeeper wenig. „Kevin, bist du Norweger?“, fragte er vor dem Uefa-Pokalspiel gegen Odense BK den vorbeilaufenden Torwart. Er hatte dänische Journalisten missverstanden, die von Norwegern in Odenses Team erzählt hatten.

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