Sport : Mehr Sonne

Bei der Handball-EM fordert Deutschland heute Frankreich

Klaus Rocca

Koper. In der Nacht zuvor hatte Heiner Brand in Portoroz im Hotel Riviera, direkt an der Adria gelegen, nur drei Stunden geschlafen. Die Aufregung nach dem Debakel gegen Serbien-Montenegro war groß. Gestern, berichtete der Bundestrainer, sei er nach acht Stunden Schlaf von der Sonne Sloweniens geweckt worden. Für den Bundestrainer der deutschen Handballer war die Welt nach dem Sieg über Polen wieder in Ordnung.

Könnte sein, dass Brand in der Nacht zum heutigen Sonntag wieder um Stunden seines Schlafs gebracht wurde. Denn heute kommt es hier in Koper zum Duell des Vizeweltmeisters mit dem WM-Dritten Frankreich (18.30 Uhr, live im DSF), „und das ist für uns bei dieser EM wegweisend“. Gestern Abend studierte Brand mit seiner Mannschaft Videoaufzeichnungen der letzten Partien gegen Frankreich. Doch in diesen Spielen war ein Franzose noch dabei, der fehlen wird. Jérôme Fernandez wurde gestern in Barcelona operiert. Frankreichs Star, beim FC Barcelona unter Vertrag, hatte am Freitag im überharten Spiel gegen Serbien-Montenegro einen komplizierten Mittelhandbruch erlitten und flog gestern zurück nach Spanien. Auch der beim HSV Hamburg spielende Bertrand Gille ist nach einem Muskelfaserriss außen vor. „Die Franzosen haben genug Potenzial, um solche Leute zu ersetzen“, sagt Brand. Das wird sein Kollege Claude Onesta vielleicht anders sehen.

An das jüngste Duell denkt Brand nicht gern zurück. Das war vor rund zwei Wochen, als die Deutschen beim Turnier im russischen Tschechow 20:29 untergingen. Erfreulicher ist da schon die Erinnerung an das Weltmeisterschafts-Halbfinale im Vorjahr, als es in Lissabon 23:22 für die Deutschen hieß. „Die Franzosen haben aber nicht nur deswegen genauso Respekt vor uns wie wir vor denen“, sagt Florian Kehrmann, der sich nach dem Desaster gegen Serbien-Montenegro („Da wollte ich das Spiel unbedingt allein entscheiden“) offenbar rechtzeitig wieder in besserer Verfassung präsentiert.

In bester Verfassung ist auch Frankreichs Abwehr. „Die Abwehr des Teams ist zerstörerisch“, sagt Brand. Auf die Nachfrage, was er damit meine, ergänzte der Bundestrainer: „Wir praktizieren meist eine 6:0-Deckung und lassen damit den Gegner spielen. Die Franzosen aber gehen in der Abwehr oft raus und zerstören das gegnerische Spiel. Das ist nicht unsere Auffassung von Handball.“ Das wird Monsieur Onesta nicht so gern hören.

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